Im zweiten Teil unserer Serie über die Regionalen Einsatzzentralen zeigen wir Ihnen, wie eine Meldung ablaufen kann und warum Ihre Gesprächspartner manchmal viel mehr fragen müssen, als Sie sich bisher vorstellen konnten. Ein Mitarbeiter der Regionalen Einsatzzentrale erzählt.

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Sie haben einen Notfall und brauchen sofort Hilfe von der Polizei? Dann sind Sie bei der Nummer 117 genau richtig! Damit meine Kollegen und ich Ihnen die dringend benötigte Hilfe bieten können, sind wir allerdings meistens auch auf Ihre Mitarbeit angewiesen.

Es ist für mich zum Beispiel unumgänglich, dass Sie mir die beiden folgenden Fragen beantworten können:

Was ist genau passiert?

Wo ist es passiert?

Die erste Frage ist für mich aus mehreren Gründen wichtig: Als erstes muss ich nämlich beurteilen, ob diese Meldung überhaupt eine polizeiliche Massnahme auslöst oder nicht. Zudem gibt mir diese Frage bereits Aufschluss darüber, ob ich andere Rettungsdienste aufbieten muss oder ob es sich um eine rein polizeiliche Sache handelt.

Die zweite Frage ist selbsterklärend. Wenn ich nicht weiss, wo ich die Kollegen hinschicken muss, wird es schwierig.

Eindeutige Angaben können lebenswichtig sein

Ein Beispiel: Herr B. meldet einen Verkehrsunfall mit einer verletzen Person: Er ruft aus der Region Oberaargau an und teilt mir mit, dass in der berüchtigten «Löwenkurve» ein Fahrzeug ins Schleudern geraten und über eine Böschung hinuntergestürzt ist. Das Fahrzeug hat sich überschlagen und liegt nun auf dem Dach. Der Fahrzeuglenker ist verletzt worden und benötigt eine Ambulanz.

Vor welchen Problemen stehe ich nun und welche Massnahmen muss ich einleiten?

Der Melder, Herr B, hat sich mit seinem Namen gemeldet und konnte auch relativ genaue Angaben machen, was passiert ist. Somit ist die Frage «Was ist passiert?» beantwortet.

Anders sieht es dagegen mit der zweiten wichtigen Frage aus: «Wo ist es passiert?» Herr B. ist in der Region des Ereignisses zu Hause und kennt die Kurven im wahrsten Sinne des Wortes namentlich, beziehungsweise mit der ortsüblichen Bezeichnung. Die anderen Einsatzdisponenten und ich arbeiten in Bern und kennen das Einsatzgebiet zwar sehr gut. Oftmals fällt es aber bei sogenannten Insiderbezeichnungen wie der «Löwenkurve» schwer zu erkennen, welche Patrouille sich gerade am nächsten der Unfallstelle befindet.

Es handelt sich aber beim Ereignis um einen Verkehrsunfall mit einem Verletzten, was einen raschen Einsatz durch die Polizei, die Ambulanz und in diesem Beispiel auch die Feuerwehr bedingt. Aus diesem Grund ist es für uns – aber vor allem auch für den Verletzten – wichtig, dass wir möglichst schnell ganz genau wissen, wo sich der Unfall ereignet hat.

Was kann ich als Einsatzdisponent nun machen?

Ich stelle der anrufenden Person Fragen und bin zwingend darauf angewiesen, dass diese auch beantwortet werden. Nicht immer stösst das beim Gegenüber auf Verständnis. Selbst wenn mein Gesprächspartner den Sinn darin vielleicht im jeweiligen Moment nicht erkennt: Für mich und für die Kollegen und letztlich natürlich auch die Betroffen, sind diese Angaben relevant.

Mit Weiterfragen zum richtigen Ort

Im vorab eingeführten Beispiel würde ich nun bestimmt als erstes fragen, in welcher Gemeinde der Unfallort liegt und ob Herr B. mir den offiziellen Strassennamen nennen kann. Mit diesen Informationen habe ich die Möglichkeit, den Unfallort einzugrenzen und in unserem System eine entsprechende Karte einzublenden. Wenn die genaue Örtlichkeit noch immer nicht klar ist, ist meine nächste Frage, zwischen welchen beiden Ortschaften sich die Strasse und somit der Unfallort befindet. Ist dies eine verhältnismässig kurze Strecke, kann dies ausreichen.

Falls es sich um eine längere Strecke handelt, bleibt mir nichts anderes übrig, als noch mehr Fragen zu stellen: Liegt der Unfallort in einem Waldstück? Hat es markante Bauwerke in der Nähe? Ist eine weitere Person am Unfallort, welche mir genauere Angaben machen kann?

Häufig sind die anrufenden Personen durch die Notfallsituation aufgeregt und verstehen nicht, warum man ihnen so viele Fragen stellt, «anstatt einfach zu kommen und zu helfen». Aber tatsächlich kann keine der Rettungsorganisationen Hilfe leisten, solange wir nicht wissen, wo diese benötigt wird.

Was wir nun in diesem Beispiel gemacht haben, nennt sich Triage. Das heisst, wir haben die Meldung beurteilt:

  • Was ist passiert?
  • Wo ist es passiert?
  • Ist die Polizei dafür zuständig oder müssen andere Blaulichtorganisationen alarmiert werden?
  • Bedingt das Ereignis eine sofortige Intervention durch die Polizei oder nicht?

Dies ist eine der Hauptaufgaben, die meine Kollegen und ich bei jedem einzelnen Anruf erfüllen müssen. Im nächsten Teil der Artikelserie werde ich Ihnen erzählen, wie es anschliessend mit der Triage weiter geht.

Mehr zum Thema

Wenn eine Person in Not ihren Standort nicht kennt, können wir von der SMS-Ortung Gebrauch machen. Der Disponent der Einsatzzentrale sendet dazu dem Notrufenden ein SMS mit einem Link. Der Notrufende kann den erhaltenen Link anklicken. Dabei wird sein Browser auf dem Handy geöffnet und sein Standort wird angezeigt. Dieser Standort kann anschliessend durch den Notrufenden an die Einsatzzentrale übermittelt werden. Der Disponent der Einsatzzentrale kann den Standort herauslesen und die notwendigen Mittel disponieren.

Um diesen Dienst nutzen zu können, müssen auf dem Endgerät die Ortung und die mobilen Daten aktiviert sein. Grundsätzlich ist die Handyortung Plattform (iOS, Android, etc.) unabhängig.

Weiter erschienen in der Serie «Rund um die Einsatzzentralen»:

Teil I: Regionale Einsatzzentralen – viel mehr als nur eine Telefonstimme
Teil III: Aus der Einsatzzentrale: Wenn wir überall sein müssen
Teil IV: Wann Sie den Notruf wählen sollten – und welchen