Haben Sie sich schon einmal gefragt, was eigentlich alles passiert, wenn Sie eine Notrufnummer wie die 117 wählen? In dieser Artikelserie bringen wir Ihnen die Arbeit der Regionalen Einsatzzentralen etwas näher und die Herausforderungen, die damit verbunden sind. Im heutigen ersten Teil: Wie funktioniert dieser Bereich überhaupt und welche sind seine Aufgaben?

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Ein Mitarbeiter der Einsatzzentrale erzählt aus seinem Alltag. Er ist 39 Jahre alt und hat im Jahr 2000 die Polizeischule absolviert. Nach mehreren Jahren Polizeidienst auf den Strassen von Bern hat er in die Regionale Einsatzzentrale Bern/MEOA gewechselt.

Viele Leute stellen sich die Regionalen Einsatzzentralen (REZ) wie ein Call Center vor: Sie glauben, dass wir einen Notruf entgegen nehmen, die Nachricht einfach an die Patrouille weiterleiten und dann auf den nächsten Anruf warten. Die Realität sieht allerdings ganz anders aus.

Die Aufgaben eines Einsatzdisponenten der Kantonspolizei Bern umfassen längst nicht nur das Entgegennehmen von Notrufen auf die Nummer 117 und das Disponieren von Polizeikräften. Wir betreuen zum Beispiel auch die weiteren Notrufnummern (112, 118) und stehen dauernd in Kontakt mit der Ambulanz und der Feuerwehr. Abhängig davon, welche Art von Vorfällen gemeldet wird, beschäftigen die notwendigen Einsätze nämlich oft mehrere Rettungsdienste gleichzeitig. Eine gute Koordination ist da das A und O.

Im Jahr 2015 sind bei den Einsatzzentralen der Kantonspolizei Bern 525’679 Anrufe eingegangen – also über eine halbe Million. Ich selber habe in diesem Zeitraum 9’261 Telefonate geführt und bearbeitet.

* BERN: Stadt und Region Bern BO: Berner Oberland MEOA: Mittelland, Emmental und Oberaargau SJB: Seeland und Berner Jura

* BERN: Stadt und Region Bern
BO: Berner Oberland
MEOA: Mittelland, Emmental und Oberaargau
SJB: Seeland und Berner Jura

Support für die Kolleginnen und Kollegen auf der Strasse

Zusätzlich dazu unterstützen wir so gut wie möglich die Polizisten im Aussendienst. Sie fragen sich vielleicht, inwiefern ich als Einsatzdisponent in der Zentrale da Einfluss nehmen kann? Darüber erzähle ich Ihnen gerne mehr – beginnen wir nach der Entgegennahme des Notrufs.

Je nach Ereignis versuche ich, zusätzlich zu den bereits erhaltenen Informationen noch weitere Angaben ausfindig zu machen und an die Patrouille weiter zu geben. So können sich die Kolleginnen und Kollegen optimal auf ihren Einsatz vorbereiten. Dabei kann es sich beispielsweise um nähere Angaben zum Einsatzort oder zu den betroffenen Personen handeln. Schliesslich liegt mir viel daran, dass die Polizistinnen und Polizisten auf der Strasse unverletzt aus den Einsätzen zurückkehren, was leider nicht selbstverständlich ist!

Wenn Polizisten eine Personen- oder Fahrzeugkontrolle durchführen, klären wir für sie ab, ob eine der Personen beispielsweise gesucht wird oder ein Fahrzeug als gestohlen gemeldet ist.

Für jeden Bedarf der richtige Kontakt

Weiter bieten wir für die Kollegen vor Ort im Einsatz die nötigen Spezialdienste auf. Das können interne Ressourcen sein, wie zum Beispiel der Kriminaltechnische Dienst, wenn es nach einem Einbruchdiebstahl Spuren zu sichern gibt. In anderen Fällen sind es externe Mittel wie beispielsweise ein Abschleppdienst nach einem Verkehrsunfall.

Häufig gelangen aber auch andere Rettungsdienste oder Polizeikommandos mit Anfragen oder Aufträgen an uns, die so rasch wie möglich erledigt werden müssen. Die Spanne reicht von einfachen Auskünften bis hin zu Aufträgen zum Überbringen von Todesnachrichten an die Familie durch eine Patrouille, was wohl für jeden Polizisten eine der schwersten Aufgaben ist.

Zu unseren Aufgaben zählt ausserdem das Bearbeiten von Alarmen: Nicht nur Banken, sondern auch zahlreiche andere Unternehmen verfügen heute über jede erdenkliche Art von Alarmen. Einige sind direkt zu uns geschaltet, andere zu einer privaten Alarmzentrale. Am Ende landen sie aber alle am selben Ort, der Unterschied liegt für uns Disponenten nur beim Eingang der Meldung: Die direkten Alarme werden automatisch an uns übermittelt, die anderen werden elektronisch oder telefonisch von der entsprechenden Alarmzentrale an uns übermittelt. Die zu treffenden weiteren Massnahmen sind aber in beiden Fällen identisch.

In meinem nächsten Beitrag werde ich Ihnen erzählen, was genau passiert, wenn ich in der Einsatzzentrale einen Anruf entgegen nehme.

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Die vier Regionen der Kantonspolizei Bern verfügen jeweils über eine eigenständige Regionale Einsatzzentrale (REZ): eine für das Seeland und den Berner Jura (SJB, Standort Biel), eine für das Berner Oberland (BO, Standort Thun), eine für das Mittelland, das Emmental und den Oberaargau (MEOA, Standort Bern) und schliesslich eine für die Stadt und Region Bern (BERN, Standort Bern). Insgesamt arbeiten 90 Personen für die Regionalen Einsatzzentralen.

Jede Einsatzzentrale arbeitet unabhängig von den anderen in ihrem Gebiet, und doch sind alle Zentralen vernetzt. So werden regionenübergreifende Einsätze effizient und ohne zeitlichen Verzug koordiniert. Zudem ist so gewährleistet, dass keine Notrufe ins Leere gehen: Wenn in einer Einsatzzentrale bereits alle Disponenten in einem Telefongespräch sind, werden Notrufe nach einer gewissen Zeit automatisch in eine der anderen Einsatzzentralen geleitet und dort entgegen genommen.

Weiter erschienen in der Serie «Rund um die Einsatzzentralen»:

Teil II: Wie ein Notfall in der Regionalen Einsatzzentrale bearbeitet wird
Teil III: Aus der Einsatzzentrale: Wenn wir überall sein müssen
Teil IV: Wann Sie den Notruf wählen sollten – und welchen