In der kältesten Zeit nehmen die Pflanzen keinen Nährstoff auf. Deshalb müssen Landwirtinnen und Landwirte ihre Güllelager jeweils leeren, bevor der Winter so richtig anbricht. Zum Schutz der Umwelt gibt es strenge Richtlinien zum Hofdüngeraustrag; Verstösse müssen wir von Amtes wegen verfolgen.

Wie kommen eigentlich Pflanzen unbeschadet durch den Winter? Sie verbringen die kalten Tage in der sogenannten Vegetationsruhe. Man kann das ungefähr mit dem von Tieren bekannten Winterschlaf vergleichen. Die Pflanzen nehmen in dieser Zeit keine Nährstoffe auf; sie ruhen und wachsen demzufolge auch nicht.

Kein Düngen während der Vegetationsruhe

Die Vegetationsruhe beginnt sobald an fünf aufeinander folgenden Tagen die durchschnittliche Lufttemperatur weniger als fünf Grad Celsius beträgt. Wird es temporär wärmer – während sieben Tagen durchschnittlich über fünf Grad Celsius – wird die Vegetationsruhe unterbrochen und im Frühling endet sie schliesslich.

Landwirtinnen und Landwirte müssen die Düngung ihres Landes auf diese Umstände abstimmen. Wenn der Boden nicht saug- und aufnahmefähig ist, darf kein Hofdünger ausgetragen werden. Nicht nur, weil die Pflanzen unter diesen Umständen gar nicht davon profitieren können. Wenn die Gülle nicht von den Böden absorbiert wird, könnten auch Gewässer verschmutzt werden.

Was sagt das Gesetz?

Natürlich gibt es auch eine gesetzliche Grundlage für das Düngen: Das Bundesgesetz über den Umweltschutz und den Schutz der Gewässer und die Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung. Danach müssen sich landwirtschaftliche Betriebe richten.

Konkret verbieten die Gesetze, verunreinigende Stoffe mittelbar oder unmittelbar einem Gewässer zuzuführen oder sie versickern zu lassen. Das heisst, unter den folgenden Bedingungen ist das Ausbringen von Hofdünger nicht erlaubt:

  • wenn der Boden wassergesättigt ist (Wasserlachen, Bodenproben sind nass und breiig)
  • wenn der Boden gefroren ist (spitzer Gegenstand wie Sackmesser oder Schraubenzieher lässt sich an mehreren Stellen nicht mehr in den Boden stossen)
  • wenn der Boden schneebedeckt ist (Schnee bleibt witterungs- und standortbedingt länger als einen Tag liegen)
  • wenn der Boden ausgetrocknet ist (Boden zeigt Risse, Bodenproben sind staubig, Erdbrocken hart)

«Wenn wir von einer Widerhandlung erfahren, müssen wir diese von Amtes wegen zur Anzeige bringen», erklärt Markus Stauffer, Leiter unserer Fachstelle Umweltkriminalität und fügt an: «Es gibt keine Ausnahmebewilligungen. Was auf eidgenössischer Ebene verboten ist, können auch Gemeinden oder kantonale Behörden nicht bewilligen».

Bauern sind in der Pflicht

Damit auch in langen, strengen Wintern die Güllelager nicht überlaufen und kein «Notstand» entsteht, muss jeder landwirtschaftliche Betrieb im Kanton Bern eine bestimmte Gülle-Lagerkapazität haben. Diese beträgt im Talgebiet dem Anfall von fünf und im Berggebiet jenem von sechs Monaten.

Mindestens drei Monate davon müssen auf dem eigenen Betrieb abgedeckt werden können. Zusätzlich ist es möglich, sich bei Nachbarbetrieben einzumieten und umzulagern.

Die Konsequenzen von Widerhandlungen wiegen schwer

Wenn Hofdünger vorschriftswidrig während der Vegetationsruhe ausgebracht wird, kann das verheerende Folgen für das Ökosystem haben. Das Verunreinigen von Oberflächengewässern wie Bächen, Flüssen oder Seen kann zum Beispiel ein Fischsterben auslösen.

Versickert flüssiger Dünger ins Grundwasser, kann auch das Trinkwasser verschmutzt werden. Wenn Sie selber Widerhandlungen gegen die Vorschriften feststellen, sollten Sie diese deshalb unverzüglich der Polizei melden. Die Schuldigen werden verzeigt und müssen mit einer Busse rechnen. Zudem werden die Lagerkapazität und die Entwässerung dieser Betriebe durch das Amt für Wasser und Abfall überprüft.

 

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