Wer liebt sie nicht; CSI, Navy CIS & Co. Einzelpersonen lösen Verbrechen in knapp 60 Minuten, inklusive Werbeunterbrechung versteht sich. Doch wie ist es im realen Leben? Wir geben Ihnen einen kleinen Einblick in die Realität und Fiktion der Kriminalistik.

Im Rahmen einer Serie möchten wir Ihnen einen Einblick in die Arbeit beim Kriminaltechnischen Dienst (KTD) oder, etwas lapidar ausgedrückt, beim CSI der Kantonspolizei Bern, geben. Dazu haben wir verschiedene Bereiche besucht. Heute ziehen wir einen kleinen Vergleich zwischen der Realität und Fiktion.

Sie laufen zur besten Sendezeit im Fernsehen. Wenn man möchte, könnte man sich einen ganzen Abend Krimis anschauen – ich gestehe, ich mache das auch ganz gerne. Man mag die etwas schräge Abby Shuto aus Navy CIS und schaut gespannt zu, wie das Team den Verbrechern innert kürzester Zeit auf die Spur kommt.

Im wahren Polizeialltag ist einiges anders und einiges gleich. Doch was ist genau Realität und was Fiktion?

Das Team

Die Mitarbeitenden des Kriminaltechnischen Dienstes sichern verschiedene Spuren an einem Tatort. Dies können DNA, Fingerabdrücke, Schuh- oder Mikrospuren, wie beispielsweise Haare oder Ähnliches sein. In der Realität rückt bei einem Delikt, beispielsweise einem schweren Einbruch, eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter des über 40-köpfigen Aussendienstes des KTD an den Tatort aus. Und dabei sind sie nur ein Teil des ermittelnden Teams, welches sich je nach Delikt aus verschiedenen Fachbereichen der Kantonspolizei Bern, dem Institut für Rechtsmedizin und weiteren Partnerorganisationen zusammensetzt.

Die Anzahl der KTD-Mitarbeitenden erscheint gross im Vergleich zu Navi CIS, wo Abby meist die einzige Kriminaltechnikerin ist. In der Realität passieren die Verbrechen jedoch nicht nur einzeln und zwischen 20.15 und 21.15 Uhr, sondern – Sie ahnen es bestimmt – zu jeder Tages- und Nachtzeit. Im 24-Stunden-Pikettdienst rücken die diensthabenden KTD-Mitarbeitenden von ihrem Arbeitsort oder ihrem Wohnort in den ganzen Kanton zu den jeweiligen Tatorten aus. Da sich zur selben Zeit oder in kurzer Abfolge mehrere Vorfälle ereignen können, benötigen wir natürlich auch mehr Mitarbeitende, welche die verschiedenen Einsätze bearbeiten. Wir haben also nicht nur eine Abby Shuto, sondern gleich mehrere.

Die Spurensicherung

Am Tatort angekommen, passiert dann in der Realität und Fiktion meist dasselbe. Spuren werden gesichert. Je nach vorhandener Spur wird ein entsprechendes Verfahren zur Sicherung angewendet. Im Fernsehen geht natürlich alles schneller, damit wir nachher rechtzeitig ins Bett kommen. In der Realität dauert es solange, wie es eben dauert, um die Arbeit sorgfältig zu erledigen.

Fingerabdrücke

Fingerabdrücke können beispielsweise mittels Pulver und Pinsel sichtbar gemacht (siehe Foto) und dann auf einer Folie gesichert werden. Fingerabdrücke, die auf kleinen Gegenständen – also auf Spurenträgern – vermutet werden, beispielsweise einer Glasflasche oder einem Kuvert, werden samt Spurenträger sichergestellt. Dabei kommen übrigens nicht, wie im Fernsehen meist verwendet, Plastiktüten zum Einsatz, sondern Papiertaschen. In Plastiktüten können die Spuren durch die Feuchtigkeit verloren gehen. Und klar ist auch, dass unsere Mitarbeitenden dabei Handschuhe tragen. Im Fernsehen ist das übrigens nicht immer der Fall.

Schuhspuren

Schuhspuren werden ebenfalls mit einer Folie gesichert (siehe Foto). Wie bei fast allen Spuren ist dabei sowohl im Film wie auch in der Realität nur ein einziger Versuch zur Sicherung möglich. Wenn eine Spur kaputt geht, ist sie meist verloren. Aus diesem Grund ist es auch wichtig, dass Opfer von Wohnungseinbrüchen nichts anfassen, damit sie keine Spuren der Einbrecher vernichten. Wir haben in einem Blogbeitrag darüber berichtet.

Das Labor

Ist eine Spur oder ein Spurenträger erst einmal gesichert, beginnt die Arbeit im Labor. DNA-Spuren werden dabei jedoch nicht wie im Fernsehen von Mitarbeitenden des KTD ausgewertet, sondern gehen zur Analyse ans Institut für Rechtsmedizin. Das Labor, wie man es aus dem Fernsehen kennt, gibt es aber auch bei uns. Auch tragen die Mitarbeitenden des KTD im Labor zum Schutz ihrer Kleidung entsprechende Arbeitskittel (siehe Foto).

Im Fernsehen sieht man zudem häufig, dass Gegenstände in einem Glaskasten «bedampft» werden und wie durch Zauberhand vorhandene Fingerabdrücke auf dem Gegenstand sichtbar werden. Gibt es das tatsächlich? Ja, das gibt es! Mit dem «Bedampfen» von Gegenständen mit verschiedenen Produkten und der anschliessenden Fotografie unter speziellem Licht können auch alte Spuren sichtbar gemacht werden. Auch das ist jedoch aufwändiger und zeitintensiver als im Fernsehen.

Nicht jeder Fingerabdruck ist ein guter Fingerabdruck

Ist erst einmal ein Fingerabdruck gefunden, ist in der TV-Serie meist schon bald der grosse Durchbruch gelungen. In der Realität ist jedoch bei weitem nicht jeder Fingerabdruck auch verwertbar. Verwischte Fingerabdrücke oder Teilabdrücke mit zu wenigen Erkennungsmerkmalen findet man häufig, man kann diese aber nicht verwerten – heisst mit einem möglicherweise vorhandenen Vergleichsabdruck zweifelsfrei abgleichen.

Zurück im Labor von Abby Shuto… hat sie einen Fingerabdruck gefunden, lässt sie diesen durch eine Datenbank laufen und bereits nach wenigen Sekunden spuckt der Computer einen Treffer aus. Auch die Kantonspolizei Bern hat Zugriff auf eine solche nationale Datenbank. Nur reicht der Treffer der Software nicht aus. Jeder Treffer muss manuell von einem Spezialisten überprüft werden.

Fazit

Sie sehen, die Krimi-Serien lehnen sich an die Realität an; und doch gibt es wichtige Unterschiede. Dem Spurenschutz wird bei uns eine viel grössere Bedeutung zugemessen. Und natürlich geht im Fernsehen alles viel schneller; schliesslich geht es dort darum, den Täter in 60 Minuten zu fassen. In der Realität kommt es leider vor, dass man einen Straftäter gar nicht oder erst nach Jahren fassen kann.

Allgemein kann man festhalten, dass Kriminalistik nicht das ist, was man im Fernsehen sieht. In Wirklichkeit ist es eine Teamarbeit. Fachspezialisten aus verschiedenen Bereichen kommen zusammen und arbeiten gemeinsam an der Lösung eines Falles; jeder aus seinem Blickwinkel. Das Team ist im Vordergrund und nicht ein Starermittler.

Auch wenn die Krimi-Serien aus polizeilicher Sicht nicht immer korrekt sind, so gibt es doch viele Polizistinnen und Polizisten, die sich in der Freizeit Krimis anschauen. Schliesslich bleibt dies eine spannende Unterhaltung; die Arbeit die teilweise harte und traurige Realität.

Weiter erschienen in der Serie «Der Kriminaltechnische Dienst»: