Bei der erkennungsdienstlichen Behandlung kommen viele vorbei: Personen, die wegen Straftaten verdächtigt werden oder Gefängnisinsassen. Was steckt dahinter?

Im Rahmen einer Serie möchten wir Ihnen einen Einblick in die Arbeit beim Kriminaltechnischen Dienst, oder etwas lapidar ausgedrückt, beim CSI der Kantonspolizei Bern, geben. Dazu haben wir verschiedene Bereiche besucht. Heute zeigen wir Ihnen die Arbeit der Erkennungsdienstlichen Behandlung.

Sie kommen alle vorbei

Bei der erkennungsdienstlichen Behandlung (ED-Behandlung) im Berner Regionalgefängnis oder der Zweigstelle in Biel kommen sie alle vorbei: Die Personen, die einer oder mehrerer Straftaten verdächtigt werden oder Gefängnisinsassen. Doch auch die frisch ausgebildeten Polizistinnen und Polizisten, deren Abdrücke zum Ausschluss von Spuren am Tatort benötigt werden, absolvieren das Prozedere.

Immer grösser wird auch die Nachfrage von Personen, die Vergleichsabdrücke für die Beantragung von Visa benötigen, beispielsweise für eine Reise in den Iran. Diese können unter Kostenfolge angefertigt werden.

Was beinhaltet die Erkennungsdienstliche Erfassung?

Die ED-Erfassung erfolgt im Auftrag der Polizei oder der Staatsanwaltschaft und umfasst je nach Anfrage Personalien, Signalement, Bild des Gesichts, Finger- und Handflächenabdrücke und/oder – dies ausschliesslich im Auftrag der Staatsanwaltschaft – eine DNA-Probe. Sie wird im Kanton Bern im Regionalgefängnis Bern und auf der Polizeiwache in Biel durch Mitarbeitende der Kantonspolizei Bern vorgenommen.

Feinfühligkeit kann Eskalation verhindern

Nicht jede Person kommt freiwillig in die Räume der ED-Behandlung. Dies verlangt von den Mitarbeitenden ein hohes Mass an Vorsicht, Beobachtungsgabe, Menschenkenntnis und Feinfühligkeit. So erklärt ein Mitarbeiter auch, was er während einer Fingerabdruckabnahme wahrnimmt: «Man spürt es in den Fingern der Kundschaft, wenn sie kurz vor der Eskalation steht». Ebenso kann es sein, dass jemand randaliert und gewalttätig ist, man in seinen Augen aber Angst und Unsicherheit erkennt. Mit dem richtigen Umgangston und entsprechender Mimik/Gestik kann viel dazu beigetragen werden, dass eine Situation gar nicht erst eskaliert.

In den letzten Jahren allerdings scheint doch die Gewaltbereitschaft stetig zuzunehmen, was entsprechende neue Vorsichtsmassnahmen und Anpassungen in den Abläufen, Infrastruktur und Ausbildung zur Folge hat.

Die Moderne hat die «Handwerkskunst» verdrängt

Anstelle der früher sorgfältig mit Druckerschwärze abgenommenen und auf Bögen aufgetragenen Fingerabdrücke werden diese seit 2014 mit dem sogenannten LiveScan direkt elektronisch erfasst. Zwar bleibt der administrative Aufwand weiterhin gross, aber zumindest das Einscannen der Bögen entfällt und diese müssen nicht mehr physisch vernichtet werden. Und wenn einmal ein einzelner Fingerabdruck nicht gelingt, muss nicht mehr der gesamte Bogen neu erstellt werden, wie es früher der Fall war.

Die schönen Momente der ED-Behandlung

Erfolg hat man in der erkennungsdienstlichen Behandlung immer dann, wenn Fingerabdrücke oder DNA-Profile zu einem Treffer führen. Überhaupt werden biometrische Daten als Sachbeweise für den Spurenabgleich immer wichtiger. Dazu gehören digitale Fotos, DNA, Fingerabdrücke oder ausnahmsweise auch Ohrenabdrücke. Sie alle liefern Beweise oder helfen, Personen als Verdächtige auszuschliessen. Dabei leistet nun eben auch der LiveScan seinen Beitrag.

Und wie ist nun der Vergleich zu den Fernsehkrimis?

Kommen alle Gefängnisinsassen bei der Einlieferung zuerst bei der ED-Behandlung vorbei? Nein, das ist nur im Fernsehen so. Erst auf Auftrag der Staatsanwaltschaft erfolgt in der Realität die komplette ED-Behandlung. Also wird nicht jeder, der ins Gefängnis kommt, einer ED-Behandlung unterzogen.

Gibt es, wie so häufig in den Krimis zu sehen, eine Software, die im Schnellzugstempo Fingerabdrücke abgleichen und «Treffer» ausspucken kann? Ja, diese Software gibt es tatsächlich. Doch in der Realität vertrauen wir der Software nicht zu 100%. Das heisst: Jeder «Treffer» muss manuell von einem Spezialisten überprüft werden. Dies nimmt demzufolge auch wesentlich mehr Zeit in Anspruch als im Fernsehen.

Benötigen Sie Fingerabdrücke für ein Visumsgesuch?

Für im Kanton Bern wohnhafte Personen besteht die Möglichkeit, die Fingerabdrücke bei unserer ED-Behandlung nach Voranmeldung unter Kostenfolge erstellen zu lassen.

Sie müssen dazu über eine gültige Identitätskarte oder einen gültigen Reisepass verfügen.

Kontakt:

Kantonspolizei Bern
Kriminaltechnischer Dienst/Erkennungsdienstliche Behandlung
Genfergasse 22
3001 Bern

Telefon: +41 31 638 55 60

Weiter erschienen in der Serie «Der Kriminaltechnische Dienst»: