Eine Weltmeisterin auf zwei Rädern zum Thema Sicherheit auf dem Velo/E-Bike: Warum Kathrin Stirnemann die Präventionskampagne der Kantonspolizei Bern ideal repräsentiert.

Kathrin Stirnemann

Auch nach jahrelangem Jagen über Stock und Stein sei sie «kaum vernarbt», lacht Kathrin Stirnemann. Von schweren Stürzen blieb sie dank Können, Routine und Glück verschont. Gefährlicher sei tatsächlich das Alltagsfahren auf der Strasse.

Sie sind das Gesicht der Sicherheitskampagne der Kantonspolizei Bern. Was verbindet Sie mit dem Thema?

Sicherheit im Strassenverkehr ist mir wichtig. Für viele wird das Velo bzw. das E-Bike zunehmend zum Hauptverkehrsmittel. Je besser man sich und sein Velo beherrscht, desto weniger Aggressionen entstehen in Begegnungen mit Autofahrern/-innen. Ausserdem sollten sich alle an die Verkehrsregeln halten.

Als E-Mountainbikerin wurden Sie nochmal Vize-Weltmeisterin. War das Erfolgsstreben Ihr Antrieb, aufs E-Bike umzusatteln?

Mich hat es gereizt, weil das E-Bike im Trend liegt. Trotz guter Ergebnisse fehlt mir etwas die Zeit für eigenes Training. Aber es wäre für alle XCE*-Fahrer/-innen ein gutes zusätzliches Training, etwa für das Reaktionsvermögen im Hinblick auf die Geschwindigkeit bei Hindernissen, die auf einen zukommen.

Fehlt lhnen nicht der Adrenalinkick der aktiven MTB-Rennfahrerin?

Man vergisst die Zeit ja so schnell … Aber ältere Bilder von erfolgreichen Rennen zu sehen, ist immer wieder emotional. Trotzdem: Die Zeit liegt hinter mir und ich habe viel Freude an meinen jetzigen Aufgaben.

Worin besteht diese Freude als U19-Nationaltrainerin?

Ich stehe bei den Rennen zwar ausserhalb, aber als ehemalige Fahrerin kann ich mich sehr gut in die Athletinnen hineinversetzen. Sind sie erfolgreich, dann fühlt es sich auch für mich gut an.

Welche Werte möchten Sie den jungen Leistungssportlerinnen vermitteln?

Es geht mir nicht alleine um Bestleistungen. Ich möchte für die jungen Bikerinnen eine nahestehende Vertrauensperson sein. In ihrem Alter haben sie ja noch andere Challenges im Leben.

Die Schule, die Berufswahl, die Liebe …

… das kostet alles Zeit! Die Freude am Sport sollte da nicht auf der Strecke bleiben. Deshalb bieten wir ein Netzwerk für Infos und Guidelines, die aufzeigen, wohin ihr Weg führen soll.

Nicht jeder Weg kann zu WM-Titeln führen wie bei Ihnen.

Man muss jede Person individuell fordern, ohne sie unnötig unter Druck zu setzen, damit sie sich Routine und damit auch Ruhe aneignen kann. Wenn ich an meine erste WM denke: Die hatte ich ziemlich verhauen, weil ich viel zu nervös war.

Welche Parallelen gibt es zwischen der Wettkampfsituation und dem «Alltagsbiken»?

Konzentration und vorausschauendes Fahren.

Und wie eilig hat es eine Kathrin Stirnemann im Strassenverkehr?

Ach, vielleicht könnte ich auf dem Alltagsvelo flotter unterwegs sein als der Durchschnitt, weil ich mein Bike besonders gut beherrsche. Aber ein Autofahrer weiss das ja nicht, wenn ich mit Tempo auf die Kreuzung zufahre und würde wohl erschrecken. (lacht).

Was war Ihr schlimmster Velounfall im Alltag?

Ein rechts abbiegendes Fahrzeug hat mich mal übersehen. Es ging aber glimpflich aus. Und einmal bin ich auf einer Kühlerhaube gelandet, weil auf einer Waldstrasse plötzlich ein Auto vor mir auftauchte. Es war mein Fehler, ich hatte in dieser stillen Gegend nicht damit gerechnet.

Unvorhersehbares taucht im Strassenverkehr häufiger auf als auf der Rennstrecke.

Ja. Im Leistungssport (klopft auf Holz) blieb ich bisher verletzungsfrei.

Was sind die häufigsten Fehler von E-Bike-Newcomern?

Dass man sich sagt: «Ich kann ja schon Velo fahren.» Es geht darum, diese andere Art von Velo zu verstehen: Wie muss man es bremsen, wie schalten, wie fährt es sich einhändig? Auch das höhere Velogewicht und damit den längeren Bremsweg muss man erst beherrschen lernen.

Worauf sollte man am Anfang besonders achten?

Ich würde wenigstens einen Grundkurs in Fahrtechnik empfehlen, so, als wäre man Skianfänger. Und im Vergleich zur Skipiste enden Velostürze halt nicht einfach im Schnee … hier sind Autos unterwegs!

Kann man bestimmte Gefahrensituationen vorher simulieren, um im Fall der Fälle richtig zu reagieren?

Man kann Gleichgewichtsübungen trainieren oder wie man beim scharfen Bremsen das Gewicht verlagert und auch langsames Fahren lernen. Sowohl auf dem E-Bike wie auf dem normalen Velo.

Frau Stirnemann, vielen Dank für das Gespräch

 

*XCE: Cross Country Eliminator; eine Disziplin des Mountainbike-Rennens, bei der im Ausscheidungsverfahren eins gegen eins auf Kurzstrecke angetreten wird.

Kathrin Stirnemann, zweifache Weltmeisterin in der Mountainbike-Disziplin XCE*, fuhr national wie international über ein Dutzend erste Ränge ein. Heute trainiert sie die U19-Frauen sowie als Assistentin die Elite- und U23-Frauen. Weitere Infos zum Thema Sicherheit auf dem Velo/E-Bike unter www.police.be.ch/alles-im-blick