Telefonbetrug ist weit verbreitet. Die Betrügerinnen und Betrüger werden kreativer, dreister und erfinden ständig neue Betrugsmaschen und Tricks. Welche Betrugsformen gibt es und wie können Sie und andere sich dagegen schützen?

Betrüger geben sich am Telefon als jemand anderes aus.

Immer wieder erreichen uns Meldungen zu verdächtigen Anrufen oder sogar zu erfolgreichen Betrugsdelikten am Telefon. Gemäss aktuellen Erkenntnissen konnten dreiste Betrügerinnen und Betrüger im Kanton Bern 2019 fast eine halbe Million Franken erbeuten.

In diesem Beitrag helfen wir, die häufigsten Maschen zu durchschauen, und zeigen auf, dass das Thema uns alle angeht. Nicht zuletzt hoffen wir auf Ihre Unterstützung, um auch andere Personen vor den Tricks schützen zu können.

Enkeltrick: Wenn ein angeblicher Bekannter oder Verwandter um Geld bittet

Leider bereits ein Klassiker unter den Betrugsdelikten ist der Enkeltrick. Dabei muss sich der Anrufer nicht zwingend als Enkel ausgeben, sondern kann vorgeben, irgendein Bekannter oder Verwandter zu sein.

Die meist hochdeutsch sprechenden Anruferinnen und Anrufer geben sich am Telefon als Bekannte oder Verwandte aus und lassen ihre Opfer in der Regel zuerst raten, wer am Telefon sein könnte. In der Folge erzählen sie nicht selten eine Geschichte über einen Wohnungskauf: «Ich benötige dafür kurzfristig 30 000 Franken. Ich zahle dir das Geld morgen wieder zurück, versprochen.» Die Betrügerinnen und Betrüger setzen ihre Opfer teils unter massiven Druck und fordern diese im Verlauf von mehreren weiteren Telefongesprächen auf, Bargeld abzuheben und dieses – manchmal auch zusammen mit Schmuck – an unbekannte Kontaktpersonen zu übergeben, da sie es nicht selbst abholen können.

Meist suchen sich die Täterinnen und Täter ältere Menschen, vor allem Frauen, als mögliche Opfer aus. Aufgrund von traditionellen Vornamen – wie beispielsweise Elisabeth, Ruth, Edith oder Margrit – werden im öffentlichen Telefonbuch eingetragene Personen angerufen.

Ein Dauerläufer: falscher Polizist

Seit mehr als zwei Jahren stellen wir eine weitere Masche fest. Wir verzeichnen regelmässig Meldungen zu Anrufen, bei denen sich Betrüger als angebliche Polizistin oder angeblicher Polizist ausgeben.

Am Telefon meldet sich zum Beispiel «Frau Fröhlich von der Kantonspolizei Bern» und erzählt von Ermittlungen: «In der Nachbarschaft wurden zwei Einbrecher festgenommen, im Gepäck Bankdaten und Adressen, unter anderem von Ihnen. Wir ermitteln mit Hochdruck. Aber Hacker haben es auf Ihr Bankkonto abgesehen, Ihr Geld ist nicht mehr sicher», warnt die angebliche Polizistin im Verlauf eines längeren und professionell klingenden Gesprächs eindringlich. «Die Polizei wird es aber sicher für Sie aufbewahren können.» Die Betroffenen werden dann aufgefordert, das Bargeld zu deponieren, beispielsweise im Milchkasten, wo es dann durch die Täterschaft abgeholt wird.

Bei dieser Betrugsvariante manipulieren die angeblichen Polizisten vielfach die eigene Telefonnummer. So kann es deshalb sein, dass auf Ihrem Display nicht die wahre Telefonnummer angezeigt wird, sondern zum Beispiel die Nummer einer Polizeiwache in Ihrer Nähe. Mit diesem Trick versuchen die Betrüger, ihre Geschichten glaubwürdiger erscheinen zu lassen.

Es muss übrigens nicht zwingend der «falsche Polizist» sein, diese Variante des Betrugs wurde auch schon in abgeänderter Variante angewendet. So haben sich Betrügerinnen und Betrüger bereits als Mitarbeitende von Fedpol, vom Grenzwachtkorps oder von der Staatsanwaltschaft ausgegeben.

Angebliche Microsoft-Mitarbeiter

Aber nicht immer setzen die Betrügerinnen und Betrüger auf den Angstfaktor. So geben sich Täterinnen und Täter am Telefon auch als angebliche Mitarbeitende von Firmen oder Institutionen aus – dies, um beispielsweise unter einem Vorwand an Ihre persönlichen Daten und Passwörter zu gelangen.

Eine weitere bekannte Masche ist der angebliche Microsoft-Mitarbeiter. Dabei wird behauptet, dass der Computer der angerufenen Nutzer eine vermeintliche Fehlermeldung an Microsoft übermittelt habe oder von Viren befallen sei. Die Täterinnen und Täter fordern entweder Zugang zum betroffenen Computer oder bieten ein Programm (Software) an, welches angeblich bei der Säuberung des Geräts helfen soll. Sobald den Unbekannten der Zugang zum Computer gewährt wurde, lösen diese Zahlungen aus oder belasten die Kreditkarte. Vielfach verlangen sie sogar eine Beratungsgebühr. Mittels der angebotenen Software wird ein Schadprogramm (Malware) installiert, über das die Täterinnen und Täter auf das Gerät zugreifen und Daten ausspähen können.

Ihnen kann das nicht passieren?

Leider ist dies ein weit verbreiteter Irrglaube. Die raffinierten Betrügerinnen und Betrüger setzen die ausgesuchten Opfer aber unter massiven psychischen und zeitlichen Druck. Sie nutzen positive Charakterzüge wie Verantwortungsbewusstsein, Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit gezielt aus. Wir haben mehr als einmal festgestellt, dass Geschädigte hinterher selber nicht glauben konnten, wie sie auf den Betrug reinfallen konnten. Sie schämten sich und zögerten sogar, dies überhaupt der Polizei zu melden. Für uns sind Ihre Meldungen aber wichtig! Denn nur dann können wir ermitteln und gegen Betrügerinnen und Betrüger vorgehen. Noch wirkungsvoller ist es aber, wenn diese gar nicht erst Erfolg haben. Helfen Sie mit, den Betrügerinnen und Betrügern das Handwerk zu legen.

So schützen Sie sich und andere

Wir wollen Sie mit unserem Beitrag ganz sicher nicht verängstigen oder beunruhigen, sondern Sie vielmehr für die unterschiedlichen Betrugsmaschen sensibilisieren, sodass Sie diese frühzeitig erkennen.

Gehen Sie auf Nummer sicher, seien Sie vorsichtig und behalten Sie die folgenden Tipps in Erinnerung:

  • Seien Sie misstrauisch gegenüber Personen, die sich am Telefon als Verwandte, Bekannte, Polizisten oder angebliche Mitarbeiter von Firmen, zu denen Sie keine Beziehung haben, ausgeben. Fragen Sie bei Familienangehörigen, der Polizei oder der Firma nach, ob es diese Person wirklich gibt.
  • Geben Sie keine persönlichen Daten, Passwörter oder Finanzinformationen preis.
  • Gehen Sie nie auf Geld- und Wertsachenforderungen ein. Die Polizei verlangt beispielsweise nie, dass Sie Bargeld oder Wertsachen hinterlegen sollen.
  • Sprechen Sie mit älteren Personen in Ihrem Umfeld darüber und geben Sie die Informationen sowie die Tipps der Polizei weiter.
  • Sollten Sie oder jemand, den Sie kennen, Opfer geworden sein, zögern Sie nicht, dies der Polizei sofort zu melden.
  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Brechen Sie verdächtige Telefonanrufe sofort und ohne schlechtes Gewissen ab. Melden Sie diese umgehend der Polizei unter den Notrufnummern 112/117.