Betrugsfälle haben über die letzten Jahre schweizweit stark zugenommen. Ein grosser Teil der Delikte betrifft betrügerische Kleinanzeigen im Internet. Im Rahmen einer nationalen Kampagne gibt auch die Kantonspolizei Bern Tipps – damit der Online-Einkauf nicht im Albtraum endet.

«Neuwertiges Smartphone zu verkaufen. Einjährig, kaum gebraucht, leichte Gebrauchsspuren. Preis: 250 Franken.» Ein echtes Schnäppchen. Andernorts blättert man für ein gleichwertiges Gerät gut und gerne 450 Franken oder mehr hin. Die Artikelbeschreibung klingt vertrauenswürdig, weil ausführlich und in fehlerfreiem Deutsch geschrieben. Auch die Fotos hinterlassen einen seriösen Eindruck: Der Anbieter hat das Gerät von jeder Seite fotografiert und die Bilder im Inserat hochgeladen. «Sofort zuschlagen und kaufen», denkt sich Interessent Bruno Basar*, der genau ein solches Modell sucht. Er schreibt dem Anbieter auf dem Kleinanzeigenportal eine E-Mail. Nach zwei Stunden und ein paar weiteren Mails, die er mit dem Verkäufer hin- und herschreibt, steht der Deal und das Geld für das Smartphone geht per E-Banking raus.

Zwei Wochen später. Bruno Basar hat noch kein Handy erhalten. Er wird misstrauisch, hakt beim Anbieter per Mail nach. Ist beim Versand etwas schiefgegangen? Ist der Verkäufer in den Ferien und antwortet deshalb nicht? Er versucht es noch mit einer SMS an die angegebene Handynummer, aber auch da: keine Reaktion.

Täter locken mit günstigen Geräten

Das Geld ist weg, ein Smartphone hat Bruno Basar bis heute nicht erhalten. Er geht auf eine Polizeiwache und gibt eine Anzeige auf. Mit seiner negativen Erfahrung steht er nicht alleine da. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass Betrugsfälle über die letzten Jahre schweizweit stark zugenommen haben. Allein im Kanton Bern wurde eine Zunahme der Betrugsfälle von 21 respektive 23 Prozent in den Jahren 2017 und 2018 verzeichnet. Ein grosser Teil der gemeldeten Fälle betrifft Betrügereien im Internet – oft auch auf Kleinanzeigenportalen.

Die Täter locken ihre Opfer nicht nur mit supergünstigen Smartphones – wie im Fall von Bruno Basar – in die Falle. «Kleinanzeigenbetrüger nutzen eine breite Palette gefragter Artikel», sagt Pascal Baumann, stellvertretender Dezernatschef Wirtschaftsdelikte bei der Kantonspolizei Bern. Häufig würden neben Smartphones erfahrungsgemäss auch elektronische Geräte wie Tablets, Fernseher, Spielkonsolen oder Home-Cinema-Anlagen angeboten. Nicht selten fänden sich aber auch Staubsauger, Küchenmaschinen oder andere Haushaltsgeräte in den getürkten Inseraten.

Im WWW sind Spuren schnelllebig

Grosse Hoffnungen, dass er sein Smartphone doch noch bekommt oder das Geld zurückerhält, macht sich Bruno Basar nicht. Sein Strafantrag richtet sich, wie so oft in solchen Fällen, gegen eine unbekannte Täterschaft. Das betrügerische Inserat ist bereits gelöscht. «Digitale Spuren und Daten im Internet sind schnelllebig» sagt Pascal Baumann. Zudem machten sich die Täter verschiedene Verschleierungstechniken im Internet zu Nutze. E-Mail-Adressen würden bereits nach kurzer Zeit gewechselt und die Identitätsprüfung des Benutzerkontos erfolge über eine virtuelle Telefonnummer.

Möglich ist überdies, dass der Inseratetext und die Bilder des Geräts zuvor im Internet kopiert beziehungsweise gestohlen worden waren. All das sind Faktoren, welche die Ermittlungen erschweren. «Dazu kommt, dass der überwiegende Teil der Täterschaften aus dem Ausland operieren dürfte», sagt Baumann.

Zu günstig, um echt zu sein?

Die Spurenlage ist also oftmals dünn – und die Ermittlungsansätze beschränkt. Umso wichtiger ist es deshalb für Konsumenten, vorsichtig zu sein, damit Betrüger gar nicht erst erfolgreich sind. Ob ein Inserat seriös ist oder nicht, ist auf den ersten Blick aber gar nicht so einfach zu erkennen. So gibt es weder die typische Betrüger-Anzeige noch das eindeutig ehrlich gemeinte Angebot. Und Opfer eines Kleinanzeigenbetrugs kann grundsätzlich jede und jeder werden.

Trotzdem gibt es Anzeichen, welche die Alarmglocken bei den Interessenten zum Läuten bringen sollten. Das beginnt bereits beim Preis: «Betrüger bieten ihre Scheinware häufig sehr günstig an, oft deutlich günstiger als ähnlich gehandelte Artikel», sagt Bernhard Hügli von der Kriminalprävention der Kantonspolizei Bern. Es lohne sich deshalb, sich vorgängig im Internet über die marktüblichen Preise zu informieren. Ein persönliches Treffen, so vertrösten die Täter den Interessenten vielfach, sei angeblich aus verschiedenen Gründen nicht möglich. «Spätestens hier sollte man besonders misstrauisch werden», betont Hügli.

Ein mögliches Indiz für betrügerische Inserate ist laut Pascal Baumann auch, dass in der Antwort eines Anbieters sprachliche Fehler auftauchen. «Der ursprüngliche Inseratetext ist sprachlich häufig fehlerfrei», führt Baumann aus. Bei der nachfolgendenden Kommunikation kämen dann aber sprachliche Fehler zum Vorschein. Viele der unbekannten Täter schlügen deshalb plötzlich vor, die Sprache zu wechseln. Ein weiteres Indiz auf einen Betrugsversuch sei, wenn der Geldempfänger nicht mit dem Anbieter identisch ist.

Finger weg, wenn der Bauch «Nein» sagt

Was tun also, wenn vor dem Mausklick der Geldüberweisung noch Zweifel bestehen? «Wenn das Bauchgefühl trotz aller Vorsicht ‚Nein‘ sagt, sollte von einem Kauf abgesehen werden», sagt Bernhard Hügli. «Gerade, wenn man eine Person nur über das Internet kennt, ist stets ein gewisses Misstrauen angebracht.» Als Vorsichtsmassnahme könne es sich ausserdem lohnen, den Benutzernamen des Anbieters oder den Namen eines verdächtigen Online-Shops über die gängigen Suchmaschinen zu überprüfen. «Allenfalls hat der Anbieter schon andere Nutzer übers Ohr gehauen», so Hügli.

Und wenn man trotz aller Vorsicht auf eine betrügerische Kleinanzeige hereingefallen ist? «Grundsätzlich sollten Betroffene das immer möglichst umgehend der Polizei melden», sagt Pascal Baumann. «Denn je mehr Daten wir haben und je mehr Spuren wir verfolgen können, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich potenzielle Zusammenhänge mit anderen Fällen ermitteln lassen.» Und schliesslich sei eine Meldung an die Polizei die Grundlage dafür, überhaupt erst Ermittlungen aufnehmen zu können.

*Name frei erfunden

Verhaltenstipps

Befolgen Sie die nachfolgenden Tipps, um sich möglichst gut gegen Kleinanzeigenbetrüger zu schützen:

  • Seien Sie vorsichtig und schenken Sie Personen, die Sie nur übers Internet kennen, nicht ohne Weiteres Ihr Vertrauen.
  • Geben Sie nie Ihre Passwörter oder Ihre amtlichen Dokumente weiter.
  • Geben Sie nie persönliche Informationen preis.
  • Leisten Sie nie eine Vorauszahlung, wenn Sie dem Gegenüber nicht vollständig vertrauen.