Gajus hat sich bei mir schon gut eingewöhnt; nun beginnt seine Ausbildung. Seine ersten Tage als Polizeihund waren ganz schön aufregend für ihn. Was er alles erlebt hat, lesen Sie in diesem Beitrag.

Nach einigen Angewöhnungstagen im neuen Zuhause war der Zeitpunkt gekommen, Gajus zum ersten Mal zum Dienst mitzunehmen. An das Autofahren hat er sich bereits gut gewöhnt und er bleibt die meiste Zeit ruhig. Doch das Patrouillenfahrzeug, mit einer für Gajus noch «fremden» Hundebox, war ihm zu Beginn nicht geheuer. Mit einer kleinen Motivationshilfe, sprich einem «Guddeli», klappte aber auch das Einsteigen und es konnte losgehen.

Neue Erfahrung: Fahrt mit Blaulicht und Sirene

Die erste Blaulichtfahrt liess nicht lange auf sich warten. Da ein Hund viel besser hört als ein Mensch und die etwas schnellere Fahrt mit Sirene doch etwas Neues ist, war ich gespannt, wie Gajus darauf reagiert. Während der Fahrt war es ruhig, fast schon zu ruhig hinten im Kofferraum. Als wir am Einsatzort ankamen, schaute ich so rasch wie möglich nach ihm, um zu sehen, wie es ihm geht. Ganz anders als erwartet, schlief Klein-Gajus friedlich in seiner Hundebox und tat so, als wäre nichts Aussergewöhnliches geschehen.

Wie wir Menschen braucht natürlich auch Gajus Pausen. So hielten wir beim Patrouillendienst mehrere Male im Wald an, damit Gajus «austreten» konnte. Eine kurze Spieleinheit oder ein kleiner Spaziergang gehörten natürlich auch dazu.

Erster Rundgang auf der Wache und am Arbeitsplatz

Nach dem Fahrdienst durfte Gajus das erste Mal mit in mein Büro. Doch vorher unternahmen wir einen Rundgang auf unserer Wache in Burgdorf, damit der Hund die verschiedenen Gerüche und Räumlichkeiten kennenlernen konnte. Neugierig hat er alles beschnuppert und für gut befunden. Danach ging es weiter ins Büro.

Gajus soll aber nicht dauernd in der Wache herumspazieren, deshalb haben wir ein Hundegitter an der Türe angebracht. So kann er sich frei im Büro bewegen und dennoch habe ich ihn immer unter Kontrolle während ich meinen täglichen Arbeiten nachgehe. Bis heute klappt das wunderbar und er kommt immer mehr zur Ruhe. Auch mit meinen Bürokollegen klappt das alles sehr gut.

Nicht jeder Diensthundeführer kann seinen Hund mit ins Büro nehmen; manchmal mangelt es an Platz oder es ist nicht erwünscht. Auch in Burgdorf gibt es einen geräumigen Hundezwinger. Ab einem gewissen Alter wird auch Gajus dort einige Zeit verbringen. Seit seinem ersten Tag auf der Wache gehen wir deshalb täglich zu diesem Zwinger, damit er ihn kennenlernen kann. Inzwischen sind wir schon so weit, dass er von sich aus zum Zwinger zieht.

Die Ausbildung

Schon fünf Tage nach der Übernahme von Gajus fand das erste Training statt. In diesem Teil ging es darum, wie wir Hundeführer den Alltag mit dem Hund gestalten sollen: Wie wir ihm spielerisch die ersten Übungen beibringen können und auf was wir achten sollen. Gajus wird eine sechsteilige Ausbildung absolvieren. Die Kategorien sind:

  1. Unterordnung
  2. Gebäude
  3. Fährte
  4. Sachenrevier
  5. Schutzdienst
  6. Patrouillendienst

In meinen Blogbeiträgen werde ich die einzelnen Kategorien detaillierter beschreiben. Alle sechs Kategorien werden nach zwei Jahren geprüft, bei Gajus und mir also im Herbst 2019. Wenn wir die Prüfung bestehen, darf ich Gajus im Polizeidienst einsetzen.

Die Unterordnung: «Sitz», «Platz» und «Fuss» muss felsenfest gelernt sein

Das erste Ausbildungsmodul widmet sich der sogenannten Unterordnung. Dabei geht es um den Gehorsam des Hundes gegenüber dem Hundeführer und die Grundprinzipien des Führens. Auf diesen sind alle weiteren Kategorien aufgebaut. Dass Gajus lernt, was «Sitz», «Platz» oder «Fuss» bedeuten, gehört dazu – aber auch, dass er sich auf mich und meine Entscheidungen verlassen kann und ich mich auf ihn.

Bedingung dafür ist, dass die Rangordnung in unserem Team klar ist, aber auch, dass Vertrauen, Bindung und Verlässlichkeit die Grundlage unserer Beziehung sind. Im Ausbildungsmodul Unterordnung lerne ich also, den Hund richtig zu führen, situationsbezogen auf ihn zu reagieren und uns beide für die weiteren Ausbildungsschritte vorzubereiten. In den ersten Unterrichtsstunden haben wir mit dem Hund ganz einfache Grundübungen eingeübt, die wir später immer weiter aufbauen. Dabei arbeiten wir sehr viel mit der Motivation durch Futter.

Ein starkes Team, immer in Verbindung

Was Gajus besonders liegt und was weniger, ist gar nicht so einfach zu sagen. Es kommt immer auf die Tagesform von Hund und Hundeführer an, wie es in einer Übungseinheit läuft, denn als Hundeführer überträgt man viele seiner Gefühle und Stimmungen über die Leine zum Hund.

Es ist faszinierend zu sehen, dass der Hund genau weiss, wie ich in einen Tag gestartet bin, wie meine Laune ist und wieviel es sowohl beim Hund als auch beim Menschen in einer bestimmten Situation verträgt. Gajus «liest» mich also den ganzen Tag. Bin ich guter Laune, hört er etwas weniger; er hat sofort gemerkt, dass ich dann ein klein wenig später durchgreife, als wenn ich weniger gut gelaunt bin.

Im Grossen und Ganzen leistet Gajus schon heute sehr gute Arbeit. Es macht viel Spass, mit ihm zu üben und zu lernen und ich freue mich schon jetzt, Gajus als ausgebildeten Schutzhund einzusetzen.

Weiter erschienen in der Serie:

Teil I: Neuer Mitarbeiter auf vier Pfoten