Manche Verkäufer haben ein Geschäftsmodell daraus gemacht, Ihnen ihre Waren und Dienstleistungen speziell in Situationen anzubieten, in denen Sie leicht zu überrumpeln sind. Obwohl nicht immer vor der Tür abgeschlossen, werden solche Verträge gemeinhin Haustürgeschäfte genannt. Doch nicht in jedem Fall sind Sie an Ihre Zusage gebunden.

© Dan Race / Fotolia

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Anders als ihr Name glauben macht, bezeichnet man mit dem Begriff Haustürgeschäfte keineswegs nur Verträge, die tatsächlich an ihrer Haus- oder Wohnungstür abgeschlossen werden. Der Überbegriff gilt generell für alle Geschäfte, die durch eine Überrumpelung des Kunden zustande kommen; das gilt für das Klingeln an der Tür, aber auch für das Ansprechen in Transportmitteln, auf öffentlichem Grund oder an Werbeveranstaltungen.

Woran Sie zweifelhafte Angebote erkennen

Ein klassisches Haustürgeschäft beginnt damit, dass ihnen jemand aktiv und ungefragt ein gutes Geschäft anbietet. Seien Sie misstrauisch – seriöse Haustürgeschäfte sind eher selten. Zum Teil werden Ihnen minderwertige Produkte zu einem hohen Preis angeboten. Die Verkaufspersonen weisen fantasievolle Firmennamen vor, Prospektmaterial mit scheinbar attraktiven Angeboten und grossen Garantieversprechen; lassen Sie sich davon nicht täuschen. Angebliche Fakten können frei erfunden sein und manchmal werden bekannte Markennamen missbräuchlich verwendet.

Auch Bemühungen um Mitgliedschaften etc. bedienen sich manchmal dieser Methodik. Dass Sie in einer unerwarteten Situation angesprochen werden, hat einen Grund: Man rechnet damit, dass Sie nicht vorbereitet sind und sich zu einem Vertragsabschluss hinreissen lassen, den Sie gut informiert und in einer anderen Situation möglicherweise nicht getätigt hätten.

Was Sie tun können, um sich zu schützen

  • Lassen Sie keine unbekannten Personen in die Wohnung. Am besten öffnen Sie die Wohnungstür nicht sofort, sondern legen, falls vorhanden, den Sperrbügel an.
  • Sei es zu Hause oder an einem öffentlichen Platz: Lassen Sie sich von der Verkaufsperson einen offiziellen Ausweis zeigen und prüfen Sie diesen genau.
  • Lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen und zu einem Kauf drängen. Wenn der Verkäufer, die Verkäuferin Sie drängt, ist das ein Zeichen dafür, dass er oder sie nicht möchte, dass Sie sich erst eingehend informieren, bevor sie einen Kaufvertrag eingehen.
  • Unterschreiben Sie keine Dokumente, ohne deren Funktion, Inhalt und Bedingungen zu kennen.

Wenn es doch passiert ist

Sie können ein Haustürgeschäft widerrufen, sofern alle folgenden Bedingungen zutreffen:

  • Der Wert der erworbenen Leistung beträgt mindestens 100 Franken. Falls Sie ein Abonnement mit fester Vertragsdauer abgeschlossen haben, gelten die addierten Monatsraten als Warenwert.
  • Es handelt sich um ein Produkt oder eine Dienstleistung zum persönlichen oder familiären Gebrauch.
  • Der Verkäufer oder die Vertreterin hat Sie ungefragt in Wohnräumen oder am Arbeitsplatz besucht oder im öffentlichen Raum oder Verkehrsmitteln angesprochen. Dasselbe gilt, wenn Ihnen das Angebot im Rahmen einer mit einem Anlass verbundenen Werbeveranstaltung gemacht wurde oder wenn Sie das Angebot über das Telefon erhalten haben.
  • Der Verkauf muss im Rahmen einer beruflichen oder gewerblichen Tätigkeit geschehen sein. Verkäufe unter Privatpersonen gelten nicht als Haustürgeschäfte.

Der Widerruf des Vertrags ist nicht möglich, wenn:

  • es sich um einen Versicherungsvertrag handelt. Diese gelten generell nicht als Haustürgeschäft und sind deshalb vom Widerrufsrecht ausgenommen.
  • Sie die Vertragsverhandlung ausdrücklich gewünscht und aktiv angestrebt haben.
  • der Vertrag an einem Markt- oder Messestand eingegangen wurde.

Ausserdem wichtig:

  • Der Verkäufer muss Sie als Kundin oder Kunden grundsätzlich schriftlich über die Frist und Form des möglichen Widerrufs informieren und seine Adresse bekannt geben.
  • Die Frist beginnt sobald Sie den Vertrag beantragt oder angenommen haben.
  • Sofern Sie nicht beim Vertragsabschluss, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt von Ihrem Recht auf Widerruf erfahren, weil es Ihnen der Verkäufer verschwiegen hat, so beginnt die Frist erst dann zu laufen, wenn Sie Kenntnis davon erhalten.
  • Bereits erhaltene Leistungen und Waren müssen Sie zurückerstatten. Dasselbe gilt für den Verkäufer.
  • Wurde die Ware bereits benutzt oder die Dienstleistung in Anspruch genommen, kann die anbietende Vertragspartei eine Miete respektive Entschädigung für Auslagen verlangen.

Vom Vertrag zurücktreten

Sofern die erstgenannten Bedingungen erfüllt sind, können Sie von Ihrem Rückgaberecht Gebrauch machen. Seit dem 1. Januar 2016 gelten dafür neue, für Sie noch vorteilhaftere Regelungen:

  • Ihr Rücktrittsrecht gilt neu während 14 anstatt zuvor nur 7 Tagen.
  • Auch am Telefon abgeschlossene Verträge können Sie innerhalb von zwei Wochen nach Abschluss widerrufen. Dies gilt jedoch nach wie vor nicht für Geschäfte, die Sie online eingegangen sind.
  • Grundsätzlich muss Ihr Widerruf keine bestimmte Form mehr haben. Damit Sie Ihren Rücktritt vom Vertrag auch beweisen können, ist ein eingeschriebener Brief jedoch nach wie vor das beste Mittel.

Alle Rechtsgrundlagen zu diesen Punkten sind in den Artikeln 40a ff. des Schweizerischen Obligationenrechts (OR) festgehalten.

Vorbeugen ist besser

Selbst wenn Sie grundsätzlich von einem ungewollten Kauf zurücktreten können, ist es besser für Ihr Portemonnaie, Ihre Zeit und Ihre Nerven, gar nicht erst in die Situation zu kommen. Seien Sie deshalb stets vorsichtig, wenn aus heiterem Himmel ein sehr gutes und vielleicht sogar noch zeitlich begrenztes Angebot winkt – lassen Sie sich nicht überrumpeln.