Welche Cyberphänomene gibt es?

Im digitalen Raum werden heute zahlreiche unterschiedliche Straftaten begangen. Dabei ist es nicht einfach, den Überblick über die verschiedenen Phänomene zu behalten. Dieser Beitrag dient als Orientierung zu den häufigsten Cyberphänomenen.

© Fotolia / Adobe Stock

Digitale Kriminalität und Cyberkriminalität bezeichnen Straftaten, bei denen digitale Technologien oder das Internet entweder Tatmittel oder Tatort sind. Diese Taten sind ohne Computer, Smartphone oder das Internet gar nicht oder zumindest nicht in dieser Form möglich. Heute ist dies längst kein Randphänomen mehr, sondern ein fester Bestandteil der derzeitigen Kriminalität. Täterinnen und Täter nutzen digitale Möglichkeiten anonym, schnell und über Landesgrenzen hinweg. In diesem Beitrag geben wir Ihnen einen Überblick über die aktuell häufigsten Cyberphänomene im digitalen Raum.

Was ist der Unterschied zwischen digitaler Kriminalität und Cybercrime?

Die digitale Kriminalität umfasst klassische Straftaten, die es schon lange gibt, sich aber zunehmend in den digitalen Raum verlagern. Das heisst, diese Taten könnten auch offline stattfinden, sind online aber einfacher, schneller oder anonymer.

Cybercrime findet nur online, sprich im digitalen Raum, statt.

Cyberbetrug – die häufigste Form digitaler Kriminalität

Ein grosser Teil der digitalen Kriminalität betrifft Betrugsdelikte. Beim Cyberbetrug nutzen Täterinnen und Täter das Internet, das heisst E-Mails, soziale Netzwerke oder Apps, um an Geld oder Vermögenswerte zu gelangen. Dies beispielsweise, indem sie Menschen bewusst mit falschen Angaben täuschen oder wichtige Informationen verschweigen. In anderen Fällen werden Computersysteme manipuliert oder Kommunikationswege genutzt, um beispielsweise Zahlungen auszulösen. Cyberbetrug betrifft nicht nur Privatpersonen, sondern auch Unternehmen.

Typische Formen von Cyberbetrug sind: Vorschussbetrug, Romance Scam – bei dem Betrüger gezielt emotionale Nähe aufbauen, um später Geld zu verlangen –, Bestellbetrug oder betrügerische Online-Shops.

Missbrauch von Drittpersonen

Bei dieser Betrugsmasche missbrauchen Täterinnen und Täter andere Personen als Zwischenstation, sogenannte Money Mules (Geldwäscher). Diese leiten Geld oder Waren weiter, die aus kriminellen Handlungen stammen – oft ohne zu wissen, dass sie Teil eines Betrugs sind. Die Transaktion geschieht etwa aus Gutgläubigkeit oder finanzieller Not. Für die Betroffenen kann das schwerwiegende rechtliche Konsequenzen haben, auch wenn sie sich keiner Schuld bewusst sind.

Angriffe auf Daten und Systeme

Hier geht es um Straftaten, bei denen Täterinnen und Täter gezielt digitale Infrastrukturen wie Computer, Netzwerke oder Online-Konten angreifen und sich so unerlaubt Zugang verschaffen. Sie spähen Daten aus, verändern beziehungsweise löschen diese oder übernehmen digitale Identitäten von Personen.

Digitale Angriffe durch Schadsoftware

Schadsoftware – auch Malware genannt – ist ein Sammelbegriff für Programme, die absichtlich entwickelt werden, um Computer, Smartphones oder ganze Netzwerke zu schädigen. Ziel ist es zum Beispiel, Daten zu stehlen, Dateien zu verändern, Systeme lahmzulegen oder Geräte heimlich zu kontrollieren – meist ohne dass die betroffene Person etwas davon merkt. Das passiert häufig, wenn jemand einen manipulierten E-Mail-Anhang oder einen Link öffnet, eine unsichere Website besucht oder durch Sicherheitslücken in Programmen oder Updates. Malware kann auch verwendet werden, um weitere Schritte vorzubereiten – etwa Phishing1), Betrug oder Erpressung. Sie kann ausserdem direkt Schaden anrichten, indem sie Daten löscht, verändert oder missbraucht.

Angriffe auf die persönliche Freiheit

Digitale Freiheitsdelikte sind Straftaten, bei denen die Privatsphäre und die persönliche Sicherheit von Menschen gezielt verletzt werden. Täterinnen und Täter setzen ihre Opfer dabei häufig unter Druck und drohen diesen. Dazu gehören Nötigung oder Erpressungen, beispielsweise durch die Androhung, peinliche, belastende oder sexualisierte Inhalte im Web zu verbreiten.

Angriffe auf Ehre und Reputation

Im digitalen Raum kommt es immer wieder zu strafbaren Angriffen auf den Ruf und die Würde von Personen oder Unternehmen. Dabei geht es um Handlungen im Internet, die das Ansehen gezielt schädigen oder Menschen öffentlich herabsetzen. Zielen diese Angriffe beispielsweise in Form falscher oder rufschädigender Aussagen gegen Firmen, wird dies Cyberrufschädigung genannt. Wird aber eine Person durch beleidigende oder unwahre Inhalte verleumdet oder belästigt, spricht man von Cybermobbing oder Cyberbulling.

Digitale Sexualdelikte

Unter digitalen Sexualdelikten versteht man Straftaten im Internet, die die sexuelle Selbstbestimmung von Menschen verletzen. Dazu gehören beispielsweise die Beschaffung, die Verbreitung oder der Konsum von verbotener Pornografie über das Internet. Ebenfalls dazu zählt, wenn Erwachsene online gezielt Kontakt zu Minderjährigen aufnehmen mit der Absicht, sexuelle Handlungen zu vollziehen – dieses Vorgehen wird auch «Grooming» genannt.

Cyberunterstützte Straftaten

Bei cyberunterstützten Straftaten handelt es sich um klassische Straftaten, die über das Internet beziehungsweise durch das Darknet2) erleichtert oder möglich gemacht werden. Täterinnen und Täter nutzen dabei beispielsweise spezielle Darknet-Marktplätze, um illegal mit Waren zu handeln.Dort erfolgt dann der Kauf oder Verkauf von Waffen, Betäubungsmitteln, Medikamenten oder gestohlenen und illegal weiterverkauften Waren.

1) Phishing: Dabei versuchen Kriminelle, andere Personen dazu zu bringen, ihre Passwörter oder andere persönliche Daten preiszugeben.

2) Darknet: ein versteckter Teil des Internets, der nur mit einem speziellen Programm beziehungsweise Browser erreicht werden kann. Es bietet mehr Anonymität und wird somit unter anderem auch für illegale Aktivitäten genutzt.

Seite teilen

Schreiben Sie einen Kommentar

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus.