8 Fragen an …

Die Kantonspolizei Bern setzt sich aktiv für die Prävention im Bereich der Jugendkriminalität ein. Séverine Luczy-Chaboudez ist als eine Verantwortliche Jugendkriminalität im engen Austausch mit jungen Erwachsenen. Sie gibt uns einen Einblick in ihre Arbeit und erklärt, welchen Herausforderungen sie im Umgang mit der jungen Generation begegnet.

© Kantonspolizei Bern

Séverine Luczy-Chaboudez ist seit zwölf Jahren als Jugendprofi in der Region Moutier unterwegs. Auf den sogenannten Jugendpatrouillen gehen zivile Polizistinnen und Polizisten aktiv auf Jugendliche zu, um mit ihnen zu reden und sie für verschiedene Themen zu sensibilisieren. Diese Patrouillen sind ein wichtiger Bestandteil der Bemühungen der Kantonspolizei Bern, die Jugendkriminalität präventiv zu bekämpfen. Im Rahmen der Jugendpatrouillen begegnet Séverine den jungen Erwachsenen an den Wochenenden, am Abend in ihrer Freizeit und im Ausgang. Dabei sucht sie mit ihrer Ausrückpartnerin oder ihrem Ausrückpartner gezielt Hotspots wie Jugendzentren oder Bahnhöfe auf, an denen sich junge Erwachsene aufhalten. Lernen Sie Séverine von ihrer beruflichen und privaten Seite näher kennen.

Wie bist du zur Kantonspolizei Bern gekommen bzw. was ist deine Erstausbildung?

Ich habe eine Lehre als kaufmännische Angestellte in einer Anwalts- und Notariatskanzlei absolviert. Dort lernte ich den Bereich der Justiz kennen, dieser hat mich fasziniert. Auch der Kontakt und die Arbeit mit Menschen haben mir schon immer gefallen. Ich schätze es, dass ich in meinem Beruf als Polizistin einen wichtigen Beitrag für die Bevölkerung leisten kann.

Was magst du am meisten an deiner Tätigkeit als Verantwortliche Jugendkriminalität?

Ich mag den Kontakt und die Arbeit mit jungen Erwachsenen. Ich bin selbst Mutter dreier Kinder. Dadurch kann ich meine eigenen Erfahrungen einbringen und die Jugendlichen zeigen mir die ihren. Ausserdem ist es mir ein Anliegen, sie in dieser herausfordernden Gesellschaft zu unterstützen.

Was war die grösste Herausforderung, der du auf der Jugendpatrouille begegnet bist, und wie hast du sie gemeistert?

Herausfordernd ist für mich die arrogante Haltung der heutigen Jugend, der Generation Z, wie sie genannt wird. Man muss sie respektieren und man darf sie nicht mit meiner Generation vergleichen. Der Lebensstil der jungen Menschen hat sich stark verändert und weiterentwickelt. Jede und jeder muss dabei selbst beurteilen, ob diese Entwicklung positiv oder negativ ist. Herausfordernd war insbesondere auch die Corona-Pandemie. Während dieser kommunizierten die Jugendlichen vorwiegend über soziale Netzwerke und organisierten gewalttätige 1vs1-Treffen. Durch die Vermittlung eines Jugendlichen, den ich schon seit seiner Kindheit kenne, und mit Unterstützung seiner Familie gelang es uns, diese Treffen zu stoppen. Zudem konnten wir Polizeieinsätze koordinieren und Gespräche zwischen den Jugendlichen, ihren Eltern und uns fördern.

Welche unerwartete Fähigkeit hast du durch deinen Beruf entdeckt?

Die Fähigkeit, jungen Menschen zuzuhören, ohne sie zu belehren oder zu verurteilen.

Was ist im Umgang mit Jugendlichen besonders wichtig?

Man sollte nicht vorschnell eine Meinung von den Jugendlichen haben. Man muss ihnen zuhören. Sie haben oftmals eine andere Vorstellung vom Leben als wir Erwachsenen. Sie sind sensibel, auch wenn sie häufig selbstbewusst auftreten.

Kommen wir zum etwas persönlicheren Teil … Was steht ganz oben auf deiner Löffelliste?

Meine Familie und ich wandern sehr gerne. Wir haben bereits viele schöne Wanderungen in der Schweiz gemacht. In der Zukunft würde ich gerne mit meiner Familie das Ausland zu Fuss entdecken. Unser jüngster Sohn wird bald auch im Alter sein, in dem es einfacher ist, weiter weg und länger zu verreisen.

Mit welchen Problemen kämpfen die Jugendlichen, denen du auf Jugendpatrouille begegnest?

Meiner Meinung nach mit dem Mangel an Selbstvertrauen. Über die sozialen Netzwerke agieren sie in Gruppen, allein sind sie jedoch häufig unsicher. Auch beruflich ist es für sie nicht immer einfach.

Und jetzt noch unter uns: Ist die Arbeit mit Jugendlichen manchmal frustrierend?

Ich würde nicht das Wort frustrierend verwenden. Ich würde eher sagen, dass es angesichts des Mangels an personellen Ressourcen und Zeit teils entmutigend sein kann, nicht präsenter und näher bei und an den Jugendlichen zu sein. Ich schätze den Dialog mit ihnen und wünschte, ich könnte diesen öfter pflegen.

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