Oft genug erleben Polizistinnen und Polizisten bei ihrer täglichen Arbeit belastende Situationen. Umso schöner ist es, wenn sich ein vermeintlich ernster Fall als Irrtum oder Kuriosität entpuppt. Hier ein kleiner Rückblick auf das Jahr 2019.

Gewalt, Unfälle und menschliche Tragödien – im Polizeialltag gibt es immer wieder Situationen, die für unsere Mitarbeitenden eine Belastung darstellen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Momente, in denen sie aufatmen und lachen können. Etwa dann, wenn sich ein vermeintlicher Ernstfall als Irrtum herausstellt. Gerne teilen wir hier einige Kuriositäten aus dem Jahr 2019 mit Ihnen.

Anruf aus dem Jenseits?

Bei der Einsatzzentrale geht ein Anruf ein. Es geht um einen Notruf, der zuvor bei der Sanitätspolizei eingegangen war. Die Situation ist unklar, da niemand am anderen Ende der Leitung zu hören war. Der Disponent der Polizei möchte auf die betreffende Nummer zurückrufen. Doch abnehmen tut niemand. Stattdessen erklingt ein seltsamer, durchgehender Ton. Mehrere weitere Anrufversuche laufen ins Leere. Umgehend macht sich eine Patrouille auf den Weg zur Wohnung, aus der der Notruf eingegangen war. Vor Ort treffen die Polizisten auf die verwunderte Bewohnerin. Sie ist wohlauf, hat aber weder die Sanität oder die Polizei angerufen noch sich verwählt. Was also steckt hinter dem mysteriösen Notruf? Etwa ein Anruf aus dem Jenseits? Nicht ganz. Denn hinten in der Stube entdecken die Polizisten eine Katze. Unschuldig und tiefenentspannt liegt sie – ein halbes Pfötchen noch auf dem Telefon – auf dem Couchtisch.

Nächtliche SOS-Signale

…—…, …—…, SOS, SOS: Mitten in einer kalten Winternacht beobachtete ein besorgter Anwohner in Biel von der gegenüberliegenden Strassenseite her immer wieder SOS-Signale. Den international bekannten Notruf aus dem Morsealphabet erkannte der Mann aber nicht in akustischer, sondern in optischer Form, wie er der Einsatzzentrale am Telefon erklärte: Die Zeichen setze jemand vom Balkon eines Hauses mit einer Taschenlampe ab. Als die Einsatzkräfte vor Ort Nachschau hielten, stellten sie nach einer kurzen Suche tatsächlich helle Blinklichter fest. Retten musste man in dieser Nacht freilich niemand: Es handelte sich lediglich um das Geflacker einer defekten Aussenbeleuchtung auf einer Terrasse.

Stimmen hinter der Wand

Der private Sicherheitsdienst beim Einkaufszentrum schlägt Alarm. Es ist kurz nach 3 Uhr in der Nacht. Mindestens zwei Personen, so heisst es, befänden sich an einem Ort, wo sie zu dieser Zeit nichts zu suchen hätten: Drin, im Shoppingcenter. Mehrere Patrouillen begeben sich unverzüglich vor Ort, wo sie von den Security-Mitarbeitern in Empfang genommen werden. Der Melder gibt an, er und sein Kollege hätten kurz zuvor mehrmals Stimmen in den Gängen des Einkaufszentrums gehört, als sie auf Patrouille gewesen seien. Trotz der Aufforderung, herauszukommen und sich zu zeigen, habe aber niemand reagiert. Räumen da Einbrecher gerade einen Laden aus und machen sich demnächst aus dem Staub? Die Polizisten betreten das Gebäude und klappern Gang für Gang ab. Vorsichtig schreiten sie voran, ihr Blick schweift von links nach rechts, nach vorne und nach hinten. Und tatsächlich: Plötzlich erklingen hinter einer Wand Stimmen. Sie gehören aber nicht zu menschlichen Wesen, sondern zu einem Märchenautomaten für Kinder. Dem hatte man den Stecker offenbar nicht gezogen. Und so sprach der Märchenautomat am besagten Abend bis tief in die Nacht hinein. Und wenn er nicht gestorben ist, so redet er noch heut…

Hilfe, Handgranate!

Irgendwann im Leben eine Handgranate zu finden und nicht zu wissen, ob sie echt und – falls ja – auch noch scharf ist, wünscht sich wohl niemand. Trotzdem: Sich aussuchen, ob es einem passiert oder nicht, kann man nicht. Dem Herrn in dieser Geschichte passierte es – und er meldete es richtigerweise umgehend der Polizei. Da in solchen Fällen zu Beginn jeweils vom Schlimmsten ausgegangen werden muss, machten sich gleich mehrere Patrouillen auf den Weg zum Fundort, den sie nach wenigen Minuten erreichten. Sofort wurde das verdächtige Objekt unter die Lupe genommen – und die Entwarnung folgte auf dem Fuss: Es handelte sich nicht um ein Objekt mit Sprengkörper, sondern um ein Mofa-Schloss in Form einer Handgranate.

Marienkäfer sucht Mutter

Wenn unsere Polizisten gleichzeitig Marienkäfer, Dinosaurier und Einhörner suchen, liegt das nicht an Übermüdung, sondern an der Berner Kinderfasnacht. Während der Ausgabe 2019 gingen innert 30 Minuten gleich drei Vermisstenmeldungen bei uns ein. Doch wie heisst es so schön: Aller guten Dinge sind drei. Das Happy End lag also in greifbarer Nähe – und wurde Wirklichkeit: Nach kurzer Suche wurden sämtliche kleine Fasnächtler gefunden und den Eltern zurückgebracht.

Schockmoment im Sommeridyll

Es hätte ein gemütlicher Sommerabend werden können. Mit einem Glas Rotwein und ein bisschen Ausspannen in der Hängematte. Hätte. Stattdessen kam es Mitte Juli in einem Ort im Berner Jura erstmal zu ordentlich Aufregung. Ein Anwohner hatte nämlich auf einer Weide vor seiner Liegenschaft soeben eine furchteinflössende Entdeckung gemacht. Er habe, so meldete er der Polizei, eine bunte Schlange gesichtet, die wahrscheinlich exotisch und giftig sei. Der Mann wurde angewiesen, genügend Sicherheitsabstand zum Tier zu halten und zu warten, bis der aufgebotene Wildhüter vor Ort eintrifft. Bei dessen Erscheinen löste sich die Anspannung des Mannes schnell: Beim mehrfarbigen und gefürchig ausschauenden Reptil handelte es sich nicht um eine Giftschlange, sondern um eine Pferdeleine mit bunten, aufgestickten Mustern. Zum Glück. So verliess am Ende der Wildhüter die Örtlichkeit unverrichteter Dinge. Und der Anwohner konnte zurücklehnen und den Sommerabend doch noch ein bisschen geniessen.

Fuchs, du hast den Schuh gestohlen…

Es war an einem Ort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Doch Nacht wars an diesem Junitag noch nicht. Es war erst Nachmittag, so gegen halb Vier, als eine Frau mit ihrem Hund in einem Waldstück spazieren ging. Schön bei Fuss lief der vierpfotige Freund neben Frauchen her. So weit, so unspektakulär – und alles wie immer. Doch auf einmal verschwand der Hund aus den Augen der Frau, und noch ehe sie sich umsehen konnte, war der Hund zurück – mit einem Damenschuh in der Schnauze. Doch damit nicht genug: Der Vierbeiner führte die Frau in der Folge zu zahlreichen weiteren Schuhen, die im Wald verstreut herumlagen. Besorgt rief die Frau schliesslich die Polizei. Nach ersten telefonischen Abklärungen begaben sich die Mitarbeitenden vor Ort, um sich ein genaueres Bild zu machen. Und dort kamen sie dem Übeltäter schnell auf die Spur: Rund 25 Paar Schuhe – für Damen, Herren und Kinder – lagen verstreut um einen Fuchsbau. Und unter Schusters Rappen hie und da ein Hundespielzeug. Mutmasslich hatte ein Fuchs sich die Sachen im umliegenden Siedlungsgebiet besorgt und sie dann zentral in seiner Sammlung eingelagert. Anzeigen kann man den Schelm wohl nicht. Aber wie sagt man doch so schön: Fuchs, du hast den Schuh gestohlen, gib ihn wieder her!

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Die genannten Fälle haben sich glücklicherweise als Irrtum bzw. harmlos herausgestellt. Es hätte jedoch auch anders sein können. Deshalb bitten wir Sie, bei Verdacht unbedingt immer den Notruf 112 oder 117 anzurufen. Wir rücken lieber einmal zu viel aus, als einmal zu wenig.