Wer die Veloprüfung bestehen will, muss sich bekanntlich auch mit Theorie auseinandersetzen. Stundenlang über Verkehrsregeln zu brüten, davor graut es allerdings so manchem Schulkind. Gut, gibt es nun das neue Portal www.radfahrertest.ch. Denn hier wird das trockene Büffeln zum Spielspass.

Der theoretische Radfahrertest (Veloprüfung) wird im Kanton Bern nicht mehr auf dem Papier absolviert, sondern findet neuerdings im Internet statt. Dies macht ein neuer, schweizweit harmonisierter Online-Velotheorietest möglich, den die Kantonspolizei Bern zusammen mit anderen Polizeikorps der Schweiz eingeführt hat. Damit hat der traditionelle «Chrüzli-Test» ausgedient und gehört der Vergangenheit an.

Spielen, stöbern, testen

Auf der Plattform www.radfahrertest.ch können Schülerinnen und Schüler die Inhalte, die sie bei den Verkehrsinstruktorinnen und -Instruktoren der Polizei gelernt haben, in einem Lernspiel auffrischen und danach ihr Wissen über die Verkehrsregeln, die Ausrüstung ihres Velos sowie die Gefahren im Strassenverkehr testen. Zuerst können die Kinder eine Spielfigur wählen, mit der sie anschliessend durch das Quiz radeln. Kommen sie bei einer kniffligen Frage nicht weiter, kann ein Polizist zu Rate gezogen werden. Dieser verrät nicht gleich die Antwort, sondern gibt einen Tipp ab, der auf die richtige Spur hilft.

In einem Lexikon können die Kinder zudem wichtige Begriffe und Themen rund um die praktische Veloprüfung nachschlagen und Wissenslücken schliessen, ehe es zum Test geht – der theoretischen Veloprüfung, die im deutschsprachigen Raum des Kantons Bern jeweils in der 5. oder 6. Klasse absolviert wird.

Positives Feedback

In den Schulklassen des Kantons Bern wurde die Plattform bereits ausgiebig getestet. Die Rückmeldungen der Kinder und Jugendlichen fielen bisher positiv und nicht selten auch begeistert aus. «Dieses Feedback zeigt uns, dass ein modernes Tool entstanden ist, welches die Kinder zum Lernen motiviert», sagt Hans Wüthrich, stellvertretender Dienstchef Verkehrsprävention der Kantonspolizei Bern. Und wo viel Motivation vorhanden sei, werde schliesslich auch viel gelernt. Auch deshalb sei der Online-Test eine Chance, junge Menschen auf zeitgemässe Art und Weise als Velofahrende auf die Teilnahme am Strassenverkehr vorzubereiten.

«Willkommene Abwechslung»

Ist der Theorietest bestanden, wartet bereits der nächste, wichtige Teil: das Velofahren selbst. Schrittweise erlernen die Schüler unter fachkundiger Anleitung einer Verkehrsinstruktorin oder eines Verkehrsinstruktors, Strassenregeln zu befolgen, sich je nach Situation richtig zu verhalten, Gefahren im Verkehr zu erkennen und Risiken einzuschätzen.

Einen wichtigen Beitrag hierzu leisten primär Eltern, aber auch Lehrpersonen sowie die Verkehrsinstruktorinnen und -Instruktoren der Kantonspolizei Bern. Regelmässig besuchen Letztere Kindergärten und Schulklassen und begleiten die Kinder so auf ihrem Weg zu erprobten Velofahrern im Strassenverkehr. Nicht selten kommt es dann Jahre später zum Wiedersehen von Polizist und Velofahrerlehrling. «Ich werde ab und zu von Jugendlichen gegrüsst. Oft kennen sie noch meinen Namen und erinnern sich an die Veloprüfung, die sie bei mir gemacht haben», freut sich Wüthrich. An diesen Begegnungen erkenne man, welchen Stellenwert das Velofahren für Kinder in der Schulzeit habe. «Für die allermeisten ist es eine willkommene Abwechslung zum täglichen Schulunterricht.»

Lehrreiche Erfahrung

Hans Wüthrich war zusammen mit weiteren Fachpersonen aus der Deutschschweiz in einem Projektteam der Arbeitsgruppe Verkehrsinstruktion (AG VIN) sowie der Arbeitsgemeinschaft der Chefs der Verkehrspolizeien der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein (ACVS) an der Erarbeitung der Plattform beteiligt. Selbst für den langjährigen Verkehrsexperten war die Mitarbeit eine ganz neue Erfahrung: Zusammen mit professionellen Fotografen und Filmteams realisierte Wüthrich zum Beispiel Aufnahmen, Szenen und Videos von Verkehrssituationen, welche in die Lernplattform eingeflossen sind. Einerseits mussten die Bilder attraktiv und ansprechend sein, andererseits aber auch die richtige Botschaft vermitteln. «Beides unter einen Hut zu bringen, war gar nicht so einfach und erforderte einiges an Denkarbeit.» Aber auch wenn die Köpfe der Autoren der Plattform phasenweise ziemlich geraucht haben: Der Aufwand hat sich gelohnt, denn das Resultat lässt sich zeigen.

Die Lernplattform

www.radfahrertest.ch