23 Polizistinnen und Polizisten, sechs Mitarbeitende des Botschaftsschutzes und eine zivile Mitarbeiterin haben am vergangenen Freitag den Eid oder das Gelübde abgelegt. Geschichtsträchtig sind dabei nicht nur die gesprochenen Worte, sondern auch die Örtlichkeit; nämlich das Berner Münster.

30 Frauen und Männer – darunter 19 neu ausgebildete Absolventinnen und Absolventen der Polizeischulen Hitzkirch und Ittigen – wurden am 29. März 2019 im Berner Münster durch Regierungsrat Philippe Müller und Polizeikommandant Dr. Stefan Blättler vereidigt. Im Zentrum der Feier stand dabei die eigentliche Ablegung des Amtseids – ein Akt, der in seiner heutigen Form weit in die bernische Verfassungsgeschichte zurückreicht.

120-jährige Eidesformel

Während bereits in der Verfassung vom Juli 1831 festgehalten war, dass jedes Mitglied des Grossen Rates und jeder Staatsbeamte «bei dem Antritte seiner Stelle auf die Staatsverfassung und auf die Erfüllung seiner Amtspflichten» beeidigt werden soll, finden sich die Grundzüge der heutigen Eidesformel erstmals in der Verfassung von 1846. Damals wurde durch den bernischen Verfassungsrat in einem Verfassungsartikel festgehalten, dass «Mitglieder der Staatsbehörden, Beamte und Angestellte» die Rechte und Freiheiten des Volkes und der Bürger zu achten, die Verfassung und verfassungsmässigen Gesetze streng zu befolgen und die Pflichten ihres Amtes getreu und gewissenhaft zu erfüllen haben. Um dies zu bekräftigen, sollten alle einen Eid leisten – und zwar «ohne Gefährde», sprich in ehrlicher und aufrichtiger Absicht.

Der heute verwendete Wortlaut stammt aus dem Jahr 1893. Er lautet: “Ich schwöre: die Rechte und Freiheiten des Volkes und der Bürger zu achten, die Verfassung und verfassungsmässigen Gesetze streng zu befolgen und die Pflichten meines Amtes getreu und gewissenhaft zu erfüllen, so wahr mir Gott helfe!”. Bei der vorletzten Verfassungsrevision vor 120 Jahren wurde der Passus über die Ablegung des Amtseides dahingehend ergänzt, dass diejenigen Personen, welchen zum Beispiel ihre religiöse Überzeugung die Leistung eines Eides nicht gestattet, an dessen Stelle auch ein Amtsgelübde ablegen können. Mit ihren 120 Jahren ist diese im Kanton Bern gebräuchliche Eidesformel mitunter eine der ältesten unveränderten der Schweiz.

Fast 600 Jahre altes Gebäude

Geschichte geschrieben hat auch das Gemäuer, in welchem die Vereidigung seit Januar 2012 stattfindet; das Berner Münster. Der Architekt Matthäus Ensinger hat um 1420 bei der Planung des epochalen Bauwerkes kein einziges Bauteil dem Zufall überlassen. Er war damals etwa gleich alt, wie die meisten Polizeiaspiranten heute – nämlich 25 Jahre alt, erzählt Felix Gerber, Sigrist und Betriebsleiter des Berner Münsters. Felix Gerber begleitet die Vereidigungen bereits seit sieben Jahren. Diese feierlichen Anlässe seien auch für ihn speziell, erzählt er: „Diese relativ jungen Leute haben soeben ihre Ausbildung abgeschlossen und treten nun dem Ernst des Lebens gegenüber“.

Polizistinnen und Polizisten haben eine schwere Aufgabe

Mit dem Monopol der Staatsgewalt würden sie eine sehr schwierige Aufgabe übernehmen, meint Gerber weiter. Einerseits sei es wichtig, dass Menschen bereit sind, diese Rolle zu übernehmen und für Ruhe und Ordnung in der Gesellschaft zu sorgen. Andererseits könnten sie es nie allen Recht machen und werden häufig kritisiert, «zu lasch» oder «zu streng» zu sein. Deshalb wünscht wünscht Felix Gerber allen: «Gott behüte euch!»

Die Anwesenheit der Polizei ist übrigens nichts Neues. Bereits im Mittelalter waren auf dem Münsterturm Wachen stationiert. Sie hielten damals rund um die Uhr Ausschau nach Bränden und Tumulten. Wenn sie etwas entdeckten, schlugen sie mit Hämmern auf zwei Feuerglocken und zeigten der Gendarmerie und der Feuerwehr mit Fahnen (nachts mit Laternen) an, in welche Richtung sie gehen mussten. Man könnte sagen, die Regionale Einsatzzentrale des Mittelalters war auf dem Münsterturm, erzählt Felix Gerber.