Gajus und ich sind schon zu einem tollen Team zusammengewachsen. Das ist auch wichtig, denn es stand bereits der Junghundetest an. Soviel vorneweg: Wir sind gut auf Kurs.

Gajus ist nun schon über ein Jahr alt und seine Fortschritte sind deutlich zu sehen. Es macht grossen Spass, mit ihm zusammen zu arbeiten. Von Beginn an war spürbar, wie er sich für mich einsetzten würde und auch ich würde das natürlich immer tun. Wir sind ein unzertrennliches Team geworden, sei es im Training oder zu Hause, wenn wir spazieren gehen.

Auf einen schlechten Tag folgen neue Erfolge

Im Training zeigt sich Gajus als sehr lernwillig. Es macht ihm sehr viel Spass, die verschiedenen Übungen zu absolvieren. Natürlich hat auch ein Hund mal einen schlechten Tag – auch für Gajus läuft es manchmal nicht rund. Aber es ist wirklich sehr leicht, ihm das schnell wieder zu verzeihen.

Die Übungen im Schutzdienst gehen gut voran. Nun soll Gajus auch in die geschützten Arme des Schutzdiensthelfers beissen und nicht mehr nur in das Beisskissen. Ich kann Gajus bereits in ein Gebäude schicken, um dort einen von uns «gespielten» Täter zu suchen. Er zeigt sich auch bei den anderen Übungen als sehr lernwillig und löst die Aufgaben mit Freude und Köpfchen.

Die Ausbildung im Gebäude

Wie bringen wir also unseren Hunden bei, jemanden in einem undurchsuchten Gebäude zu finden? Der Hauptanteil in der Arbeit, diese Fähigkeit aufzubauen, ist die sogenannte Milieuarbeit.

Dabei geht es darum, dass sich der Hund an die verschiedenen Untergründe gewöhnt, so dass er unerschrocken über Stock und Stein rennen kann. Dies wird in unserem Fall mit Spiel und Spass vermittelt. In unserem Übungsgelände befindet sich eine sogenannte Trümmerpiste. Dort sind Betonklötze aufeinander und ineinander gestapelt. Dort wird durch uns Spielzeug versteckt, welches der Hund suchen muss. Somit werden ihm die verschiedenen Untergründe gezeigt und gleichzeitig darf sich der Hund in einem Spiel austoben.

Sinn und Zweck ist eine schnelle und genaue Durchsuchung des Gebäudes oder des Geländes. Diese Aufgabe gelingt dem Hund viel besser als dem Menschen: Ein Mensch hat etwa fünf Millionen Riechzellen – ein Deutscher Schäferhund etwa 220 Millionen.

Erste Bewährungsprobe: Der Junghundetest

Im November haben wir den Junghundetest absolviert. Dabei geht es darum, den aktuellen Ausbildungsstand zu beurteilen und wie wir Hundeführer mit dem Team zusammenarbeiten. Denn im November 2019 steht die grosse Prüfung des Schweizerische Polizeihundeführer-Verband (SPV) bevor.

Wir wurden während des Junghundetests in sechs Bereichen überprüft:

  • Fährtensuche: Fährte suchen und ausarbeiten nach Bodenverletzung mit zwei Gegenständen, die Gajus anzeigen muss.
  • Unterordnung: zum Beispiel bei Fuss gehen oder den Hund über ein Hindernis tragen.
  • Wegrandsuche/Sachenrevier: auf einer Grundlinie von 30 Schritten zwei Gegenstände suchen, welche er verweisen muss.
  • Gebäude: der Hund muss in einem undurchsuchten Gebäude einen Täter erschnüffeln und verbellen.
  • Patrouillendienst: Im Patrouillendienst wird der Hund auf einer Grundlinie in das zu durchsuchende Gebiet geschickt. Ein Täter befindet sich stillschweigend in einem Käfig. Diesen muss der Hund verbellen und anschliessend die Flucht des Täters mit Beissen verhindern.
  • Schutzdienst: Der Hund beisst in verschiedene Körperteile (Arme, Beine) und lässt auf Befehl wieder los. Dabei wird auch die Art des Bisses beurteilt.

In all diesen Bereichen wird zudem noch die Führung des Hundeführers bewertet.

Ziel der Junghundeprüfung ist nicht, jemanden durchfallen zu lassen. Vielmehr ist es ein Gradmesser um zu zeigen, woran noch gearbeitet werden muss. Auch Gajus und ich haben noch einiges zu tun; der Experte sah in unserem Fall jedoch den gesamten Test als bestanden. Ich freue mich sehr über Gajus’ und meinen ersten gemeinsamen Erfolg.

Was mich die Leute immer wieder fragen…

Ich bin schon einige Male gefragt worden, wie denn mein Umfeld auf meine Rolle als Hundeführer und auf die Hundeausbildung reagiert. Nun, die meisten sagen, sie möchten so schnell wie möglich bei mir vorbeikommen, damit der Hund an ihnen riechen kann und sie dann kennt. Das ist natürlich nur Spass.

Die meisten Leute zeigen grossen Respekt und finden es eine super Sache, dass ich so eine Aufgabe auf mich nehme. Wenn sie mich mit dem Hund spazieren sehen, verhalten sich die meisten eher zurückhaltend, da die Leute das Gefühl haben, so ein Diensthund beisse sicher gleich, wenn man ihm zu nahekomme. Das ist natürlich nicht so.

Beissen ist für den Hund ein Spiel, es wird spielerisch aufgebaut und so wird die Verknüpfung zu den späteren Befehlen gemacht. Natürlich sollte man einen Diensthund – wie übrigens jeden Hund – niemals einfach so anfassen ohne zuerst die Hundeführerin oder den Hundeführer zu fragen. Hunde sind genauso unterschiedlich wie Menschen, und nicht alle reagieren gleich.

Weitere Fragen und Antworten zu Diensthunden bei der Polizei finden Sie im Blogbeitrag «Sechs Dinge, die Sie über Polizeihunde wissen sollten».