Wie geht man mit Aggression um? Wie kommt man aus der Gewaltspirale heraus? Das Thema Gewalt ist ein Teilgebiet der Kriminalprävention – und deren Arbeit beginnt dabei schon bei den Kleinsten und deren Erziehungsberechtigten. Als Kollege häufig mit dabei ist Plüschpolizist Bernie.

 

Mein Name ist Ursula S.B. Aegler. Die Polizeischule habe ich im Jahr 1989/90 absolviert. Anschliessend war ich in Thun, bei der Mobilen Polizei in Bern und in Köniz stationiert. Seit 2003 bin ich Mitarbeiterin der Kriminalprävention mit dem Fachgebiet Gewaltprävention.

Schon bei den Kleinsten ist Gewalt ein Thema – im banalsten Fall zum Beispiel beim Streit um ein Spielzeug. Doch wie geht man mit ernsteren Vorfällen um? Was, wenn Kinder mit Aggression konfrontiert werden oder gar in einer andauernden Gewaltspirale landen? Zu meiner Aufgabe gehört es unter anderem, dies in Kindergärten und Schulen zu thematisieren. Diese Besuche haben zum Ziel, dass die Kinder lernen, wie sie sich verhalten können, wenn sie mit Gewalt in Kontakt kommen und welche Ansprechpersonen in solchen Fällen helfen können.

Hier ein Beispiel eines solchen Einsatzes in einem Kindergarten. Als Kollege und Brückenbauer zwischen Klein und Gross nehme ich gerne unseren Plüschpolizisten Bernie zu Hilfe.

Bernie hilft, Schwieriges zu thematisieren

Der erste Teil meines Besuchs besteht oft aus einer kleinen Geschichte um Bernie. Sie dient als Einstieg und Verbindungshilfe zwischen den Kindern und mir und beginnt in etwa so:

«Gestern Abend habe ich noch etwas länger im Büro gearbeitet, da hörte ich plötzlich ein ungewohntes Geräusch. Ungewohnt jedenfalls für ein Büro… es war nämlich ein lautes Schnarchen, das durch die Gänge dröhnte. Ein Gespenst war es nicht, sondern Bernie, der gerade träumte: Sein Traum war es, in einen Kindergarten zu zügeln. Dort sind schliesslich viele Kinder, und Bernie mag Kinder sehr gerne.

Daraufhin frage ich die Kinder im nahe gelegenen Kindergarten, ob sie möchten, dass Bernie bei ihnen wohnt. Die Kinder riefen alle «Ja, ja!» und jubelten, und Bernie hat gestrahlt. Dann habe ich den Kindern erzählt, dass Bernie gerne mit ihnen spielt und tanzt. Ja, er ist einfach gerne glücklich.

Es sind aber nicht immer alle Kinder glücklich, sondern manchmal auch traurig. Dann nehmen sie Bernie in die Arme und flüstern ihm ins Ohr, was sie traurig macht. Bernie tröstet das Kind dann und versucht, mit ihm zusammen das Problem zu lösen, weswegen es traurig ist. Bernie begleitet die Kinder zu einer Person, die helfen kann und unterstützt das Kind dabei, seine Sorgen zu erzählen.»

Mit dieser Geschichte beginnen wir unseren gemeinsamen Vormittag. Dann starten wir zusammen mit dem 3-Schritte-Programm aus der Gewalt.

Das 3-Schritte-Programm

  1. Was macht Spass und was macht traurig?

Auf diese Frage hin erzählen die Kinder mit vielen Beispielen Dinge, die Spass machen. Sie nennen dabei Beispiele wie spielen, lachen, zeichnen, basteln oder Küsschen geben.

Es gibt aber eben auch Dinge, die traurig machen, weil sie gemein sind. Auch hier haben die Kinder viele Beispiele, darunter schlagen, an den Haaren ziehen, ausgelacht werden, streiten oder Küsschen geben, wenn man das nicht möchte.

  1. Wie kann man Gewalt stoppen?

Ich zeige den Kindern dann, wie sie reagieren können, wenn jemand gemein ist. Man kann schweigen oder laut STOPP rufen. Anhand vieler Beispiele trainiere ich mit den Kindern Situationen, in denen sie laut STOPP sagen können.

Wichtig ist mir dabei aber auch immer, zu erklären, dass das STOPP nicht gilt, wenn Mami will, dass man das Zimmer aufräumt…

  1. Wer kann uns helfen, dass wir glücklich sind?

Doch manchmal hilft das STOPP nicht, oder die Kinder sind einfach sehr traurig. Ich erkläre ihnen, dass man in diesen Situationen unbedingt mit jemandem darüber sprechen darf und soll.

Die Kinder lernen die allgemeine Notrufnummer 112. Mit den zwei Daumen ist dies auch ganz einfach zu zeigen und bleibt so auch spielerisch in Erinnerung. Ich erkläre ihnen, dass sie diese Nummer wählen dürfen, wenn ein Unfall passiert ist, wenn es brennt, die Eltern streiten usw.

Weiter bespreche ich mit den Kindern auch die Telefonnummer der Pro Juventute 147. Auch diese Nummer kann man sich ganz einfach merken, denn die Zahlen sind beim Telefon untereinander. Diese Nummer dürfen die Kinder anrufen, wenn sie beispielsweise traurig oder alleine sind.

Die Eltern werden einbezogen – und Bernie bleibt

An so einem Vormittag zeichnen die Kinder, tauschen Erlebnisse aus und üben Situationen in Rollenspielen. Zudem lernen sie, dass sie den Eltern immer sagen sollen, wie es ihnen geht und vor allem auch, dass sie mitteilen, wohin und mit wem sie unterwegs sind.

Das ist der erste Teil meiner Arbeit vor Ort. Der zweite Teil ist der gemeinsame Eltern-Kind-Abend. An diesem Abend können die Kinder schliesslich zeigen, was sie alles gelernt haben.

Und wenn Sie sich jetzt fragen, wie die Geschichte von Bernie ausging:

Er hat sich nach seinem Umzug in den Kindergarten sehr gut eingelebt und hat sogar ein eigenes Bettchen erhalten. Im Alltag unterstützt Bernie die Kinder oder Kindergärtnerin immer dann, wenn sie traurig sind oder Probleme haben, über die sie mit jemandem sprechen sollten – damit möglichst bald alle wieder glücklich sind.

Den Eltern-Kind-Abend hat Bernie übrigens verschlafen. Der Tag war auch lang und anstrengend.