«Mir mache Bärn mobil», lautet das Motto von Bernmobil. Und wir, wir machen Bern zu einem der sichersten Kantone der Schweiz. «Stopp, Polizei» heisst es da einsatzbedingt auch schon mal für Bus und Tram. Dann werden die vorbereiteten Szenarien für alternative Routen aktiviert, damit die Bernerinnen und Berner weiterhin von A nach B kommen.

Es braucht wenig, um sie aus dem Takt zu bringen: Sämtliche Trams auf der Strecke von Bernmobil können nur für kurze Zeit angehalten werden, ohne dass der äusserst dichte öV-Fahrplan in der Stadt Bern durcheinander gerät. Eine enge Sache, gerade wenn etwa ein Unfallauto die Strecke blockiert oder ein Demonstrationszug die Weiterfahrt zwischenzeitlich verunmöglicht.

«Das ganze System ist fragil», bestätigt Reto Würgler, Leiter Sicherheit bei Bernmobil. «Wir müssen bei einem Ereignis sehr rasch handeln.» Besonders heikel ist das Nadelöhr Innenstadt. Wenn diese Hauptschlagader des Netzes betroffen ist, wird es besonders kritisch, weil alle Tramlinien diese Stelle passieren müssen und die Fahrzeuge sich rasch stauen. Bernmobil verfügt daher über eine Vielzahl fix ausgearbeiteter Umleitungs- und Eventualpläne sowie vorbehaltener Entschlüsse, um bei Störungen rasch reagieren zu können.

An den meisten Tagen ist kein Normalbetrieb

Gerade weil der Fahrplan so eng getaktet ist und die Linien auf teils gleichen Streckenabschnitten verkehren, sind die Verkehrsdisponenten auf der Leitstelle darin geübt, rasch auf Plan B umzuschwenken. Und Plan B kommt gar nicht so selten zum Zug, wie man meinen könnte. Pro Jahr sieht sich Bernmobil mit über 100 Ereignissen konfrontiert, seien es nun Baustellen, Sonderanlässe, Demonstrationen oder Sport- und Kulturveranstaltungen.

All diese Ereignisse könnten dazu führen, dass die Verkehrsbetriebe an über 200 Tagen vom regulären Betrieb abweichen müssen: Andere Haltestellen, andere Streckenführungen, andere Fahrpläne, andere Fahrzeuge. «Oder anders gesagt: Bei Bernmobil herrscht fast an zwei von drei Tagen nicht Normalbetrieb.» Hinzu kommen die sogenannten ungeplanten Ereignisse wie Unfälle, Fahrzeugpannen oder unbewilligte Kundgebungen.

Der Worst Case: Stillstand

Bei über 250‘000 Fahrgästen pro Werktag ist die Aufrechterhaltung der Mobilität nicht nur für die Stadt Bern von grossem Interesse, sondern kann auch rasch zu einem Sicherheitsthema werden. Wenn etwa ein Einsatz des polizeilichen Ordnungsdienstes in der Innenstadt am Laufen ist, können gestrandete Fahrgäste schnell zu unbeteiligten Dritten werden, weil sie sich dem Geschehen nicht entziehen können. Insofern ist ein funktionierender öffentlicher Verkehr auch ein nicht zu unterschätzender Faktor bei der Einsatzbewältigung der Polizei.

Nicht selten ist bei grösseren Ereignissen auch Bernmobil neben Vertretern von Feuerwehr, Sanität oder Bahnunternehmen in die Führungsstruktur eingebunden. So können die betrieblichen auf die polizeilichen Massnahmen abgestimmt werden. «Wichtig sind in jedem Fall enge gegenseitige Absprachen», sagt Würgler. Ohne einander gehe es nicht – und das Miteinander klappe in der Regel sehr gut. Auch den ausrückenden Polizisten windet er ein Kränzchen. «Wir haben praktisch täglich miteinander zu tun und schätzen das Miteinander mit der Kapo.»