Eine der Aufgaben des Verkehrsdienstes ist die Kontrolle des ruhenden Verkehrs. Oftmals bekommen wir zu hören, dass dies unnütz sei und die falsch abgestellten Fahrzeuge niemanden stören würden. Dabei kann es ohne diese Kontrollen ganz schnell gefährlich werden. Sie glauben das nicht? Ich zeige es Ihnen an einem Beispiel.

Mein Name ist M. Marti, ich bin 43 Jahre alt und arbeite seit 19 Jahren beim Verkehrsdienst der Kantonspolizei Bern. Seit rund 12 Jahren bin ich Gruppenchef.

Sie können die Stadt mit einem sehr dichten Wald vergleichen: Wenn alle Bäume ungehindert in alle Richtungen wachsen und sich weitere Pflanzen ohne Einschränkungen dazwischen ausbreiten, wird daraus ohne Planung und Pflege über kurz oder lang unweigerlich ein wild verwachsener Dschungel. Noch dazu sind die Verkehrsteilnehmenden ja nicht einfach statische Bäume, sondern mobile Menschen mit unterschiedlichen Aufgaben, Motivationen und Stimmungen. Verkehrspolizisten sind also quasi die Förster der Stadt – zum Besten aller.

Ohne den Verkehrsdienst schlägt das Chaos zu

Dies mag überspitzt klingen, aber sicher ist, dass es in der Innenstadt schnell gefährlich werden kann, wenn der Verkehrsdienst die täglichen Kontrollen nicht häufig genug durchführt. Sie glauben das nicht? Ich zeige Ihnen an einem Beispiel, wie es zu solch gefährlichen Situationen kommen kann. Stellen Sie sich Folgendes vor:

  • Wenn ein Automobilist auf einem der mittlerweile raren Parkplätze in Berns Innenstadt die erlaubte Parkzeit überschreitet, scheint dies auf den ersten Blick nicht dramatisch.
  • Doch der nächste Automobilist möchte auch «hurti öppis erledige». Dieser hat, weil ja die Parkfelder von den die Parkzeit überschreitenden Fahrzeugen belegt sind, keinen Platz mehr zum Parkieren.
  • Genau aus diesem Grund, und vielleicht auch weil er gestresst ist und nicht ein paar Meter gehen möchte, stellt nun der nächste Autofahrer sein Fahrzeug ins Parkverbot – das eigentlich für den Güterumschlag der umliegenden Geschäfte da wäre.
  • Nun taucht der Lenker eines Lastwagens oder Lieferwagens auf und muss in derselben Strasse seine Waren ausladen – es hat aber keinen Platz mehr, weil alle extra für den Güterumschlag vorgesehenen Parkverbotsbereiche mit Fahrzeugen von Automobilisten besetzt sind, die «hurti öppis erledigen» wollen.
  • Und weil der Lenker des Lastwagens oder Lieferwagens seine Waren natürlich nicht aus dem fahrenden Fahrzeug abladen kann, stellt dieser sein Fahrzeug gleichwohl irgendwo im verbleibenden Strassenraum ab.
  • In der Verzweiflung sind dem Einfallsreichtum der Last- und Lieferwagenlenker tatsächlich oft keine Grenzen gesetzt. Gnadenlos werden «zwangsläufig» Trottoirs, Fussgängerstreifen und Bushaltestellen zugestellt.

Ohne Kontrollen bleibt kein Platz für Verkehrssicherheit

Spätestens an diesem Punkt kann es durchaus zu gefährlichen Situationen kommen, zum Beispiel:

  • Ein Vater mit Kinderwagen muss wegen einem falsch parkierten Lastwagen (aus dem gerade Waren ausgeladen werden) vom Trottoir auf die Strasse ausweichen und kann erst kurz vor einem anderen heranbrausenden Fahrzeug wieder aufs Trottoir zurückkehren.
  • Eine ältere Dame muss beinahe einen Sprung über einen Lieferwagen machen, wenn sie aus dem Bus oder Tram aussteigen möchte.
  • Fussgängerinnen und Fussgänger bahnen sich ihren Weg aufs Geratewohl und werden nur knapp nicht überfahren, weil im Bereich der Fussgängerstreifen alles zugestellt ist.

Damit genau solche Situationen möglichst gar nicht erst entstehen, patrouilliert unser Verkehrsdienst täglich in der Stadt, um die nötigen Kontrollen zu machen – mit dem Auftrag, dass die Verkehrssituation unter Kontrolle bleibt und Automobilisten ihre Fahrzeuge auf die vom Gesetz vorgeschriebenen Plätze stellen. Ziel dieser Kontrollen ist, bei den sich falsch verhaltenden Verkehrsteilnehmenden das Verständnis für die Folgen ihres Verhaltens auf die gesamte Verkehrssituation zu schaffen, so dass diese ihr Fahrzeug beim nächsten Mal richtig abstellen.

Aus diesem Grund müssen wir die Parkkontrollen auch an gewissen Tagen oder in gewissen Strassen durchführen, wo vielleicht der «Normalverkehrsteilnehmer» den tieferen Sinn nicht sieht, weil es vermeintlich genug Platz in den Parkverbotsbereichen für Lastwagen oder Lieferwagen hätte.

Das beschriebene Beispiel der Kettenreaktion kommt Ihnen vielleicht übertrieben formuliert vor, entspricht aber durchaus der Realität. Ich hoffe, ich konnte Ihnen den tieferen Sinn von Kontrollen im ruhenden Verkehr näher bringen, selbst wenn er für manche auf den ersten Blick nicht immer erkennbar ist und auf Unverständnis stösst.