Europäischer Tag des Notrufs – Zusammenarbeit von Polizei, Sanität und Feuerwehr in der kantonalen Einsatzzentrale
In der Stadt Bern laufen alle Notrufe von Polizei, Sanität und Feuerwehr in einem Raum zusammen: der kantonalen Einsatzzentrale. Hier arbeiten Fachpersonen der Polizei, der Sanität und der Feuerwehr Seite an Seite – an 365 Tagen im Jahr und rund um die Uhr. Zum europäischen Tag des Notrufs werfen wir einen Blick hinter die Kulissen und zeigen, wie die Zusammenarbeit zwischen den drei Blaulichtorganisationen funktioniert.

In der kantonalen Einsatzzentrale in Bern arbeiten die Mitarbeitenden der Polizei, Sanität und Feuerwehr in einem Raum. Kurze Wege ermöglichen den direkten Austausch, schnelle Absprachen und rasches Handeln zwischen den drei Organisationen. In diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf die Abläufe in der Einsatzzentrale in Bern. In den beiden anderen Notrufzentralen im Kanton Bern, in Biel und Thun, ist die Organisation etwas anders geregelt: In Biel und Thun nimmt die Polizei neben dem Polizeinotruf 117 und dem allgemeinen Notruf 112 zusätzlich den Feuerwehrnotruf 118 entgegen. Während in Biel die Notrufnummer 144 durch die Sanitätsnotrufzentrale Biel/Bienne behandelt wird, die sich im selben Raum wie die Polizei befindet, wird der Notruf 144 im Berner Oberland durch die Sanität in Bern bearbeitet.
Der Arbeitsalltag in der Einsatzzentrale in Bern ist klar strukturiert. An mehreren Arbeitsplätzen nehmen die Einsatzleiterinnen und Einsatzleiter aller drei Organisationen Notrufe entgegen, erfassen Informationen und disponieren Einsatzkräfte und -mittel. Während sie die Anrufe entgegennehmen, verschaffen sie sich innert kürzester Zeit einen Überblick über die Situation und entscheiden, welche Mittel aufgeboten werden müssen: Handelt es sich um einen medizinischen Notfall? Ist die Feuerwehr erforderlich? Oder steht eine Straftat im Raum? Häufig sind mehrere Organisationen gleichzeitig involviert. Nach dem Aufbieten der nötigen Einsatzkräfte bleiben die Einsatzleiter im Hintergrund aktiv, um Zusatzinformationen zu beschaffen, diese weiterzuleiten und bei Bedarf weitere Einsatzmittel oder Spezialgeräte zu organisieren. Um einen Einblick in die Arbeit der Einsatzzentrale und die Zusammenarbeit der drei Partnerorganisationen zu erhalten, haben wir Alexandra von der Polizei, Fabian von der Sanität und Patrik von der Feuerwehr folgende Fragen gestellt:
Wie viele Anrufe hattet ihr im Jahr 2025 im Schnitt täglich?
Alexandra (Polizei): Uns erreichten in den drei Notrufzentralen der Polizei in Bern, Biel und Thun zusammen täglich rund 520 Notrufe.
Fabian (Sanität): Bei uns waren es im Schnitt 396 Telefone täglich.
Patrik (Feuerwehr): Wir hatten zirka 161 Gespräche pro Tag.
Wie sieht euer Arbeitsalltag aus?
Alexandra: In Bern bearbeiten wir in erster Linie Notrufe, die über die Notrufnummern 117 und 112 eingehen. Wenn eine Meldung einen Polizeieinsatz erfordert, schicken wir eine Patrouille vor Ort und bedienen die ausrückenden Kolleginnen und Kollegen mit den nötigen Informationen. Zusätzlich beantworten wir auch nicht dringliche Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern sowie interne Anliegen.
Fabian: Als Einsatzleiter der Sanitätsnotrufzentrale 144 nehme ich die eingehenden Notrufe entgegen und bin oft der erste Ansprechpartner für hilfesuchende Personen. Anhand der Informationen aus dem Gespräch – etwa Einsatzort, Einsatzart und weiterer Informationen – entscheide ich, welche Rettungsmittel eingesetzt werden. Dies machen wir nach der sogenannten Next-Best-Strategie. Dies bedeutet, dass jenes Rettungsmittel alarmiert wird, welches voraussichtlich am schnellsten am Einsatzort eintrifft.
Patrik: Unser Arbeitsalltag ist sehr abwechslungsreich – keine Schicht gleicht der anderen. Wir arbeiten in 12-Stunden-Schichten. Es gibt ruhigere Phasen, die sich jederzeit abrupt zuspitzen können. Besonders im Sommer führen zum Beispiel Unwetter zu vermehrten Einsätzen, weshalb bei schlechten Wetterprognosen vorsorglich zusätzliche Einsatzleiterinnen und -leiter aufgeboten werden. Bereits während eines eingehenden Notrufs werden erste Einsatzmittel alarmiert und weitere Informationen eingeholt. Der Einsatzleiter bleibt, wenn es die Situation erfordert, bis zum Eintreffen der Feuerwehr am Ereignisort am Telefon, gibt der anrufenden Person wichtige Anweisungen und unterstützt den Einsatz danach weiterhin im Hintergrund, etwa durch das Organisieren zusätzlicher Fachkräfte oder weiterer Einsatzmittel.
Wie kann man sich eure Zusammenarbeit in der Einsatzzentrale vorstellen?
Alexandra: Die Zusammenarbeit ist besonders wichtig, wenn bei einem Ereignis mehrere Blaulichtorganisationen im Einsatz stehen. Da sich in Bern alle drei Notrufzentralen im selben Raum befinden, können Einsätze direkt gemeinsam besprochen werden. Das erleichtert die Koordination und beschleunigt den Informationsaustausch. Die Absprache mit den Notrufzentralen der Polizei in Biel und Thun erfolgt telefonisch.
Fabian: Wie Alexandra bereits erwähnt hat, sind bei gewissen Einsätzen oft mehrere Blaulichtorganisationen involviert. Da wir gemeinsam in einer Zentrale arbeiten, findet eine enge und strukturierte Absprache zwischen uns statt. So können wir unsere Einsatzkräfte vor Ort optimal unterstützen und einen koordinierten Einsatzablauf sicherstellen.
Patrik: Durch die räumliche Nähe bekommen wir oft mit, was bei den anderen Organisationen abläuft und so kann man sich mental bereits auf mögliche Einsätze einstellen. Da wird in der Notrufzentrale alle mit derselben Applikation arbeiten, können Einsätze unkompliziert weitergeleitet werden. Einsatzleiterinnen und -leiter aus den anderen Blaulichtorganisationen können sich so einfach direkt telefonisch dazuschalten und offene Punkte lassen sich mit wenigen Schritten persönlich klären.
Was passiert, wenn ich beispielsweise der Polizei anrufe, aber eigentlich die Feuerwehr brauche?
Alexandra: In der Notrufzentrale der Polizei in Bern erfolgt die Erstalarmierung der zuständigen Feuerwehr bei einem dringenden Einsatz direkt durch die Polizei. Wenn der Einsatz nicht dringend ist, wird der Anrufer zu der Feuerwehr-Notrufzentrale weiterverbunden. In den Notrufzentralen der Polizei in Biel und Thun alarmiert die Polizei die zuständige Feuerwehr in sämtlichen sie betreffenden Ereignissen direkt – sie würden also nicht mehr mit der Feuerwehr sprechen.
Fabian: Bei Anrufen über den Notruf 144 zeigt sich häufig, dass eigentlich die Feuerwehr oder die Polizei zuständig ist. In solchen Fällen erfasse ich zuerst die Einsatzadresse und ein Stichwort zum Ereignis. Sollte der Kontakt oder die Verbindung zur anrufenden Person abbrechen, verfügen wir dank der bereits erhobenen Informationen zumindest über den Einsatzort und können bei Bedarf Hilfe entsenden. Je nach Situation wird die Polizei oder die Feuerwehr stumm in das laufende Gespräch zugeschaltet, damit keine Zeit verloren geht. Ist der Fall nicht dringend, wird die anrufende Person direkt an die richtige Blaulichtorganisation weiterverbunden.
Patrik: Alexandra hat es bereits gesagt: Die Polizei kann das Gespräch direkt an die Feuerwehr weiterleiten oder je nach Situation selbst Einsatzkräfte und -mittel auslösen. Eine Besonderheit bildet dabei die Berufsfeuerwehr Bern: Deren Einsatzkräfte und -mittel können ausschliesslich durch Einsatzleiterinnen und -leiter der Feuerwehrnotrufzentrale Bern alarmiert werden. Als Einsatzleiter versuche ich die Anrufenden – die oft von Stress, Angst oder Unsicherheit geprägt sind – zu beruhigen, die Gesprächsführung zu übernehmen und so zu den einsatzrelevanten Informationen zu kommen.
Was sind die herausforderndsten Fälle?
Alexandra: Besonders herausfordernd sind Anrufe von Personen in einem psychischen Ausnahmezustand – unabhängig davon, ob sie in einer selbst- oder fremdgefährdenden Verfassung sind oder in einem Angstzustand. Entscheidend ist dabei, die Anrufenden zu beruhigen, um Hilfe leisten zu können und die notwendigen Informationen zu erhalten.
Fabian: Eine grosse Herausforderung ist zudem die Ermittlung des Einsatzortes. Wenn Anrufende nicht geortet werden können und selbst nicht wissen, wo sie sich befinden. Eine weitere Schwierigkeit ist, „blind“ zu arbeiten, also die Situation nur anhand der Angaben der anrufenden Person einzuschätzen, ohne etwas hineinzuinterpretieren. In solchen Fällen muss ich mich auf meine Berufs- und Einsatzerfahrung verlassen und entsprechend handeln.
Patrik: Am anderen Ende der Leitung herrscht oft Stress, Angst oder Unsicherheiten. Mein Ziel ist: Die Gesprächsführung zu übernehmen, Ruhe ins Gespräch zu bringen, um direkt an die einsatzrelevanten Informationen zu gelangen – dies ist nicht immer einfach. Auch Grossereignisse wie Unwetter sind anspruchsvoll, weil in kurzer Zeit viele Meldungen eingehen und Einsätze parallel koordiniert werden müssen. Und natürlich auch Einsätze mit schweren persönlichen Schicksalsschlägen.
Wie diese Zusammenarbeit in der Praxis aussieht, zeigt das folgende Video anhand eines fiktiven Einsatzes.
Welchen Notruf wähle ich?
Für polizeiliche Anliegen empfehlen wir, direkt die 117 zu wählen, bei medizinischen Notfällen die 144 und bei Feuerwehreinsätzen die 118. So können Polizei und Rettungsdienst bei Grossereignissen wie Unwettern dringende Notfälle schneller bearbeiten, weil sie nicht zuerst aus der grossen Anzahl anderer Meldungen herausgefiltert werden müssen. Die 112 ist die internationale Notrufnummer. Im Kanton Bern werden Anrufe über diese Nummer direkt von der Polizei entgegengenommen. Sie können dort jedes Anliegen melden – die Einsatzleiterin oder der Einsatzleiter nimmt eine Triage vor und leitet den Notruf an die zuständige Organisation weiter.
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