Seit mehr als zehn Jahren bereichern sie das Bild der Kantonspolizei Bern: Die Polizistinnen und Polizisten der Bike Police. In zwei Teilen werfen wir einen Blick hinter die Kulissen und beleuchten, was für eine Ausbildung sie absolvieren und wie ihr Arbeitsalltag aussieht.

Die Arbeit bei der Bike Police ist eine Nebenaufgabe, die jenen Polizistinnen und Polizisten vorbehalten ist, die den dafür notwendigen Grundkurs absolviert haben. Lesen Sie hier im ersten Teil mehr über den Inhalt und den Ablauf dieses Kurses – wir nehmen Sie mit an einen Ausbildungstag.

Ein umfangreiches Programm

Eine Polizistin und vier Polizisten haben sich an diesem sonnigen und heissen Tag beim Ausbildungszentrum versammelt. Alle aus demselben Anlass: Heute absolvieren sie den eintägigen Grundkurs der Bike Police. Den «Brämen» und der Hitze zum Trotz ist die Stimmung gut und die Motivation bei allen Teilnehmenden hoch.

Vor ihnen liegt ein intensiver Ausbildungstag. Neben den rechtlichen und fahrradtechnischen Grundlagen umfasst der Kurs vor allem das Trainieren von anspruchsvollen Fahrtechniken und das Erlernen von verschiedenen taktischen Manövern mit Einbezug des Patrouillenvelos. Auch die Abwehr von Angriffen mithilfe des Velos steht auf dem Programm.

Vielfalt auf Schweizer Strassen

Bevor sich die Kursteilnehmenden aber auf ihre Sättel schwingen, steht der Theorieteil an. Hier erhalten die Polizistin und die Polizisten einen Überblick über die verschiedenen Fortbewegungsmittel, die sie während ihres Einsatzes antreffen könnten. Denn ob ein Fahrzeug als motorisiert gilt oder nicht, ist für die Beurteilung der Rechtslage entscheidend. Besonders im Bereich der neuen Elektromobilität fällt diese Einordnung nicht immer leicht.

Weiter haben die Vielfalt an Fortbewegungsmitteln und damit auch die Ansprüche an das polizeiliche Fachwissen in den letzten Jahren stark zugenommen. Neue Mobilitätsformen und neuartige Designs stellen auch die bisher geltenden Beurteilungskriterien für Velos auf den Kopf. «Regeln, wie dass ein Fahrrad Pedale haben muss, gelten nicht mehr so ohne Weiteres», stellt Antonin Danek, Ausbilder der Bike Police, klar.

Die Mitarbeitenden der Bike Police konzentrieren sich bei Verkehrskontrollen vor allem auf Fussgängerinnen und Fussgänger sowie auf andere Teilnehmende des Langsamverkehrs. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, müssen sie zum Beispiel wissen, welche fahrzeugähnlichen Geräte auf dem Trottoir, welche auf der Strasse und welche sogar nur auf abgesperrtem Areal gefahren werden dürfen.

Persönliche Vorbereitung

Nach der Theorie folgt bekanntlich die Praxis. Im Fall der Bike Police beginnt diese noch vor dem Aufsteigen. Denn vor jedem Einsatz wird anhand eines kurzen Checks überprüft, ob die Velos auch einsatzbereit sind.

Sobald jedes Velo richtig eingestellt ist, werden die Teilnehmenden von den beiden Instruktoren über die Ausrüstung der Bike Police aufgeklärt. Diese umfasst nicht nur Velohelme, sondern auch Schutzbrillen, Handschuhe, gutes Schuhwerk und exklusive Uniformteile. Nebst Socken mit Aufschrift dürfen Polizistinnen und Polizisten auf dem Bike nämlich kurze Hosen tragen. Ein Privileg, das besonders an heissen Sommertagen geschätzt wird.

Velofahren für Fortgeschrittene

Draussen auf dem Parkplatz geht es für die Teilnehmenden ans Fahrtraining. Dazu gehören unter anderem die richtige Brems-, Sturz- und Schleudertechnik wie auch das Fahren auf schwierigem Untergrund und bei der Verfolgung einer verdächtigen Person. Ziel dabei ist es, die Bewegungsabläufe möglichst schnell zu verinnerlichen. So können die Mitarbeitenden der Bike Police auch im Ernstfall richtig reagieren, ohne dabei sich oder andere im Strassenverkehr zu gefährden.

Ausserdem haben die Auszubildenden Gelegenheit, ihre Fahrtechniken im Geschicklichkeits- und Hindernisparcours weiter zu verfeinern. Spätestens hier wir deutlich: Velofahren ist nicht gleich Velofahren. An den anspruchsvollen Parcoursstationen sind Präzision, korrekte Blicktechnik und gutes Körpergefühl gefragt.

Wartung und Pflege

Ein weiterer Punkt auf der Tagesordnung ist das Ausführen einfacher Reparaturen. Im Vordergrund stehen dabei kleinere Wartungsarbeiten inklusive hilfreicher Tipps zur Materialpflege. Für die Teilnehmenden ist es wichtig, dass sie die technischen Besonderheiten ihres Velos kennen und kleinere Reparaturen während eines Einsatzes auch selbst vornehmen können. «Mit dem Velo-Equipment verhält es sich gleich wie mit der Dienstwaffe – beides muss immer gepflegt und einsatzbereit sein», betont Reto Lüthi, technischer Leiter der Bike Police.

Das Bike als Hilfs- und Abwehrmittel

Wie wichtig das Patrouillenvelo für die Arbeit der Bike Police ist, wird im Verlauf des Tages deutlich. Denn das Bike dient nicht nur als Einsatzfahrzeug, sondern nimmt auch bei Personenkontrollen eine wichtige Funktion ein. So bildet es beispielsweise in kritischen Situationen eine natürliche Sicherheitsbarriere oder kann bei Angriffen als Abwehrmittel eingesetzt werden.

Die Kursteilnehmenden lernen, welche taktischen Manöver sie unter Einbezug vom Patrouillenvelo ausführen können und wann diese sinnvoll sind. Immer mit dem Ziel, dass sie im Ernstfall eine Situation richtig beurteilen und sich im Fall der Fälle bestmöglich schützen können.

Rück- und Ausblick

Nach dem Abwehrtraining steigen sowohl die Auszubildenden wie auch die Instruktoren wieder vom Velo und versammeln sich für eine kurze Schlussbesprechung. Der Tag war intensiv und voller neuer Eindrücke für die Teilnehmenden. Für die fünf Kursteilnehmenden endet die Grundausbildung der Bike Police heute. Sie sind nun bereit für den Einsatz. Zuerst geht es aber in den wohlverdienten Feierabend.

Ab 2020 soll der Grundkurs auf zwei Tage verlängert werden. Dadurch erhalten die angehenden Mitarbeitenden der Bike Police mehr Übungszeit, um das Gelernte noch besser festigen zu können.

Mehr zur Bike Police und deren Arbeitsalltag erfahren Sie im zweiten Teil der Blog-Serie.