Als einziges Korps in der Schweiz verfügen wir über eine berittene Einheit, die seit über 100 Jahren besteht. Wir haben eine Reiterpatrouille während einem Dienst in der Stadt Bern begleitet.

 

Die zwei Polizisten Remo Jaggi und Nicole Spielmann treffen sich morgens im Nationalen Pferdezentrum (NPZ) in Bern. Die Pferde, mit denen wir unseren Patrouillen-Dienst leisten, gehören nämlich nicht der Kantonspolizei Bern, sondern werden im NPZ eigens für unsere Patrouillen angemietet.

Umziehen, Striegeln, Aufsatteln

Die Pferde, die wir heute einsetzen, heissen Apolon und Arko. Arko kennen wir schon von früheren Patrouillen, Apolon noch nicht. «Wir passen unsere Patrouillen sehr den Pferden an. Wenn ein Pferd nervös ist, meiden wir beispielsweise die Innenstadt mit den vielen Leuten und dem Lärm», erklärt Remo Jaggi. Mal sehen, wie sich unsere heutigen vierbeinigen Kollegen machen. Bevor es losgeht, müssen die zwei Polizisten aber noch ein paar Dinge erledigen.

Die erste Station ist die Sattelkammer. Dort machen wir die Sättel für den Einsatz bereit. Anschliessend holen wir die Pferde aus dem Stall und striegeln sie. «Wir achten speziell darauf, dass sich nicht kleine Steinchen oder Sonstiges unter dem Sattel befinden, die dem Pferd Schmerzen bereiten könnten», erklärt Remo Jaggi. Allgemein ist hier Hektik fehl am Platz, ergänzt der erfahrene Reiter. «Die Pferde spüren sofort, wenn der Reiter nervös oder gehetzt ist und nehmen das dann selber an».

Wie eine Fusspatrouille, aber zu Pferd

Die Reiterpatrouillen haben die gleichen Aufgaben wie beispielsweise die Patrouillen zu Fuss. Beispielsweise bei Einbruchdiebstahl oder Taschendiebstahl nehmen sie präventive Funktionen wahr, oder übernehmen schwerpunktmässig sicherheits- und verkehrspolizeiliche Aufgaben.

Heute liegt unser erster Stopp im Rosengarten. Kaum sind wir da, werden wir von einer Gruppe Touristen umringt, die uns gerne fotografieren möchten. Es ist zwar nicht unsere Hauptaufgabe, diese Wünsche erfüllen wir aber gerne, sofern es unsere eigentliche Tätigkeit zulässt. Spätestens hier merken wir auch, wie die Pferde auf die Umgebung reagieren. Apolon und Arko scheinen Spass zu haben beim heutigen Ausritt. So beschliessen wir, die Patrouille in der Innenstadt fortzuführen.

Personenkontrollen, Auskünfte und viele Gespräche

Der heutige Dienst läuft ruhig ab. Einige Personenkontrollen, diverse Auskünfte und viele schöne Gespräche mit der Bevölkerung. «Die Tiere bauen eine Brücke zu den Menschen», sagt Remo Jaggi. Die Leute kommen eher auf uns zu und Gespräche ergeben sich sehr viel einfacher als beispielsweise bei einer Fusspatrouille. Da alle Mitarbeitenden der Reiterpatrouille ihre Aufgabe nebenamtlich ausführen, kennen sie den direkten Vergleich und die unterschiedlichen Herausforderungen bei den verschiedenen Einsätzen nur zu gut.

Schön aber auch sehr anstrengend

Man könnte nun denken, dass dies der schönste Job der Welt sei… und ja, schön ist es auf jeden Fall, denn all unsere reitenden Polizistinnen und Polizisten reiten auch in der Freizeit und tun dies gerne. Mit einem Pferd in einer Stadt unterwegs zu sein, ist aber um einiges anstrengender als im freien Gelände. «Wir sind ständig angespannt, denn bei Unvorhersehbarem müssen wir auf die Reaktion des Pferdes gefasst sein und sofort reagieren können», erklärt Remo Jaggi. Solche Situationen können zum Beispiel ausgelöst werden durch ein Kind, das aus den Lauben rennt oder Bauschutt, der in eine Mulde geleert wird.

So sind die beiden reitenden Polizisten denn am Ende des Dienstes auch froh, wenn sie Arko und Apolon wieder in den Stall im NPZ bringen können. Trotz aller Anstrengung: Die Reiterpatrouille ist eine sehr dankbare Aufgabe, die den beiden Reitern viel Freude bereitet.