Bestimmt haben Sie schon einmal eine Broschüre, ein Video oder eine andere Information der Schweizerischen Kriminalprävention SKP gesehen. Diese Stelle arbeitet eng mit den Präventionsabteilungen der Polizeikorps zusammen. Wie setzt sie sich für die Bekämpfung der Kriminalität ein?

Das Team der Schweizerischen Kriminalprävention SKP (von links nach rechts): Simona Materni, Martin Boess, Chantal Billaud, Markus Stauffer.

Chantal Billaud, stellvertretende Geschäftsleiterin der SKP, erzählt im Interview, wie sich die Schweizerische Kriminalprävention für die Bekämpfung der Kriminalität einsetzt.

Warum gibt es eigentlich die Schweizerische Kriminalprävention SKP?

Die Schweizerische Kriminalprävention (SKP) wurde ursprünglich unter der Bezeichnung «Koordinationsstelle zur Verbrechensverhütung gegründet». Es handelte sich dabei um eine ständige Fachkommission der Konferenz der Kantonalen Justiz-und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD). Der Grundgedanke ist, die Präventionsarbeit in den kantonalen und städtischen Polizeikorps zu unterstützen und die Korps mit einheitlichen Präventionsmaterialien zu versorgen.

Die Präventionsbotschaften für die Schweizer Bevölkerung variieren ja kaum von Kanton zu Kanton und wenn anstelle von 26 verschiedenen Stellen nur eine zentrale Institution Präventionsmaterialien erarbeitet, kann Geld und Zeit gespart werden. Die eigentliche polizeiliche Präventionsarbeit muss natürlich vor Ort stattfinden, aber die Basisinformationen werden immer öfter von uns bereitgestellt.

Und wer steckt dahinter?

Hier im Haus der Kantone in Bern arbeiten «nur» sechs Personen, und auch das erst seit 2014. Bis dahin wurde die Geschäftsstelle vom Geschäftsleiter Martin Boess und mir als seine Stellvertreterin geführt. Seit zwei Jahren hat das Zweierteam Unterstützung durch die Projektleiterin Simona Materni und den Projektleiter Markus Stauffer erhalten.

Jedes Jahr bieten wir ausserdem einer wissenschaftlichen Praktikantin oder einem Praktikanten die Gelegenheit, bei uns erste Arbeitserfahrungen zu sammeln und unser Team mit frischen Ideen zu bereichern.

Wir können aber natürlich nicht isoliert arbeiten: Die SKP kann ihre Aufgaben nur in enger Zusammenarbeit mit verlässlichen und fachkundigen Partnern der Polizei und anderen Organisationen erfüllen. Expertinnen und Experten aus den Polizeikorps, Kripochefs, Kommandanten sowie Regierungsrätinnen und -räte begleiten unsere Arbeit deshalb regelmässig auf operativer, taktischer und strategischer Ebene.

Welche Aufgaben hat die SKP konkret?

Wir verstehen uns als Dienstleistungs- und Kompetenzstelle für die Polizeikorps und die Bevölkerung

Unsere Aufgaben und Ziele rund um das Thema Kriminalprävention sind sehr vielfältig, konzentrieren sich jedoch auf die folgenden Bereiche:

  • Wir informieren Bewohnerinnen und Bewohner der Schweiz mit möglichst einheitlichen Präventionsbotschaften, damit sie sich besser vor Delikten schützen können.
  • Wir setzen die Bevölkerung über (neue) Gefahren direkt oder über die Medien in Kenntnis und sensibilisieren sie auf Themen der Kriminalität.
  • In Zusammenarbeit mit weiteren Partnern bilden wir Polizistinnen und Polizisten in neuen Deliktsbereichen weiter und versorgen sie mit aktuellen Informationsmaterialien.
  • Wir vernetzen Präventionsfachleute der Polizei unter sich und mit anderen Sicherheitsorganisationen.

Zudem unterstützen wir vielversprechende Projekte aus verschiedenen Polizeikorps und tragen dazu bei, dass diese auf nationaler Ebene bekannt werden. Die Kantonspolizei Bern ist zum Beispiel aktuell im Thema «Prävention und Migration» federführend und viele andere Polizeikorps interessieren sich für die Berner Projekte. Wir arbeiten darauf hin, die richtigen Leute zu informieren und zu vernetzen. Durch gezielte Kooperationen und die Verbreitung von Good Practices können wir verhindern, dass 26 Mal das Rad neu erfunden wird.

Wie hat sich die Arbeit der Kriminalprävention in den letzten Jahren verändert?

So wie die Welt komplexer und vernetzter geworden ist, sind es auch die Delikte und somit auch die Präventionsarbeit. Früher waren Massnahmen und Botschaften in der Kriminalprävention oft relativ einfach und sehr direktiv, wie z.B. Tipps gegen Trickdiebe oder Verhaltensregeln in den Digitalen Medien. Diese Botschaften sind weiterhin gültig, aber dazu kommen immer mehr Vernetzungs- und Kooperationsprojekte sowie komplexere Kommunikationsaufgaben.

Die Digitalen Medien, die das Medium für viele neue Deliktsarten sind und die auch von uns als neue Kommunikationskanäle für die Bevölkerung genutzt werden, stellen uns zudem stetig vor neue Herausforderungen.

Kurz: Auch in der Präventionsarbeit muss heute interdisziplinär und flexibel gearbeitet werden. Weg vom «Tu dies und das nicht» hin zu «mehr Sicherheit durch mehr Vernetzung und Kommunikation am rechten Ort zur rechten Zeit».

Wo sehen Sie die Entwicklung in den nächsten Jahren im Bereich Kriminalprävention?

Die einfachen Präventionsbotschaften wurden und werden im Giesskannenprinzip verteilt. Diese Strategie wird nun immer mehr abgelöst durch zielgruppenorientierte, interdisziplinäre Massnahmen.

Die Präventionsarbeit zum Thema Jugendgewalt zeigt dies prototypisch auf: Wir wissen, dass nur ein Bruchteil der Jugendlichen für die allermeisten Delikte verantwortlich ist und genau diese kaum je durch Informationen in einer Broschüre von ihrem Tun abgehalten werden können. Die SKP und auch die Polizeikorps setzen aus diesem Grund weniger auf breite Informationskampagnen an Schulen, sondern mehr auf massgeschneiderte Präventionsarbeit für Risikogruppen, ausgearbeitet in Zusammenarbeit zum Beispiel mit Jugendorganisationen.

Das Motto «Alles für alle» wird zunehmend durch ein «Viel für die Richtigen» abgelöst. Das macht die Präventionsarbeit schwieriger, aber auch spannender und vor allem effizienter.

Gibt es etwas, das Sie unseren Leserinnen und Lesern gerne mit auf den Weg geben möchten?

Mit etwas Eigennutz natürlich erst einmal ein wenig Werbung für unsere Facebook- und Twitter-Auftritte. Und ganz uneigennützig ein grosses Lob an alle unsere Partner aus den Korps! Vielen Menschen ist nicht bewusst, was die Polizei im präventiven Bereich leistet!

Vielen Dank für das Interview.