Im August erwartete uns die Berufsprüfung – das grosse Finale, auf das wir so lange hingearbeitet haben. Noch vor den Prüfungen durften wir ein Praktikum im Korps absolvieren; eine sehr interessante und lehrreiche Zeit.

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Schon zehn Monate ist es her, seit meine Klassenkameraden und ich die Ausbildung zum Polizisten bzw. zur Polizistin begonnen haben. Während der Dauer der Polizeischule gab es viele Hürden zu überwinden. Egal ob es einzelne Prüfungen oder ganze Fächer waren, die uns Mühe bereiteten, die Trennung vom Zuhause und der Familie, der Verzicht auf Hobbys oder zum Schluss die Berufsprüfung: Ich bin mir trotz allem sicher, dass der Einsatz und die Mühe sich gelohnt haben.

Bevor wir uns aber intensiv auf die eidgenössische Berufsprüfung vorbereiten konnten, durften wir im Korps der Kantonspolizei Bern unser Praktikum absolvieren.

Das erste Mal im «echten» Einsatz

Zum Dienstbeginn an meinem ersten Praktikumstag haben mich mein Betreuer sowie die anwesenden Kollegen herzlich empfangen. Ich wurde sofort ins Team aufgenommen und habe mich mit allen gut verstanden.

Vor dem Start des Praktikums hatte sich natürlich auch eine gewisse Nervosität breit gemacht. An der IPH konnte man noch ohne grosse Konsequenzen Fehler machen und diese im nächsten Szenario korrigieren. Doch der Gedanke, dass man nun inmitten der Gesellschaft arbeitet und es sich nicht mehr um gestellte Szenarien handelt, sondern um echte Einsätze, war schon etwas speziell. Ich habe mich aber schnell an den Polizeialltag gewöhnt. Die unregelmässigen Arbeitszeiten und die Nachtschichten machen mir Spass. Ich konnte während den Werktagen in der Freizeit Dinge unternehmen, die in meinem vorherigen Beruf als Schreiner nicht möglich gewesen wären. Natürlich musste ich auch auf Wochenendtage verzichten, doch diese Abwechslung gefällt mir sehr.

Mein Betreuer hat mich gut auf die Einsätze vorbereitet und ich konnte mich stets auf ihn verlassen. In diesen vier Wochen durfte ich zahlreiche wertvolle Erfahrungen sammeln. Natürlich gab es auch negative Erfahrungen und ich habe traurige Situationen erlebt – wie es eben zum Polizeiberuf gehört. Eine Intervention häuslicher Gewalt berührte mich sehr. Gewalt unter Familienmitgliedern ist tragisch und darf nicht toleriert werden. Doch die Tatsache, dass in dem Haushalt noch drei kleine Kinder leben, veranlasste mich noch mehr zum Nachdenken. Denn es entsteht nicht nur ein Konflikt zwischen zwei Personen, sondern belastet gleichzeitig die anwesenden Kinder, die gewalttätige Handlungen unter ihren Eltern nicht ohne Weiteres verarbeiten können und meist noch lange darunter leiden. Doch es gab auch Momente, in denen ich die Dankbarkeit und Wertschätzung des Bürgers der Polizei gegenüber gespürt habe. Während eines Nachtdienstes bekamen wir die Meldung, dass eine Frau seit mehreren Stunden vermisst werde. Nach einigen Abklärungen konnte die Frau gesund und wohlauf von uns gefunden werden. Der Melder zeigte sich sehr dankbar uns gegenüber und war froh, dass er unsere Unterstützung anfordern durfte. Mir ist einmal mehr bewusst geworden, dass der Polizeialltag von vielen unterschiedlichen Emotionen geprägt ist. Es ist sehr wichtig, sich über das Erlebte mit einem Kollegen austauschen zu können.

Ich habe das Praktikum nicht nur als Möglichkeit erlebt, Erfahrungen zu sammeln, sondern auch als eine Hauptprobe für mich und meinen gewählten Beruf. Nach den vier Wochen Praktikum und den absolvierten Monaten in der Polizeischule bin ich mir jetzt sicher, dass ich die richtige Wahl getroffen habe.

Die Ausbildung für den Ordnungsdienst

Nach dem Praktikum waren es nur noch sechs Wochen bis zur Berufsprüfung. Während dieser Zeit haben meine Kameraden und ich eine Woche lang die Ausbildung für den Ordnungsdienst absolviert. Die Temperaturen und die Anforderungen der Instruktoren machten diese Woche zu einem Ausdauertest: Fast durchgehend war es über 30°C heiss. Trotz der Hitze, der Ausrüstung und des anstrengenden Stundenplans war es für mich eine spannende Woche. Die Ordnungsdienst-Ausbildung ist sehr interessant und hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, als Kollektiv aufzutreten. Im Ordnungsdienst (OD) geht es darum, Sicherheit während Veranstaltungen oder grossen Menschenansammlungen zu gewährleisten oder wiederherzustellen. Anhand von Szenarien haben wir verschiedene Situationen geübt, die wir im Ordnungsdienst antreffen könnten.

Wie fast bei jeder Ausbildungssequenz an der IPH mussten wir uns auch bei der OD-Ausbildung mit der Theorie des Themas befassen. Im Einsatz für den Ordnungsdienst werden andere Vorgehensweisen und Taktiken angewendet als im normalen Polizeialltag. Da man nicht nur zu zweit unterwegs ist, sondern in einem grossen Team arbeitet, muss man sich anders verhalten und organisieren. Eine Person alleine kann bei einem OD-Einsatz nichts bewirken, man muss stets als Gruppe agieren. Das erfordert viel Einsatz, Disziplin und Vertrauen.

Viel Arbeit für den einen, grossen Moment

Nun ist die Polizeischule in Hitzkirch vorbei. Die letzten Wochen vor der Berufsprüfung waren für mich die intensivsten der ganzen Ausbildung. Der Druck, das Erlernte der letzten Monate wieder abzurufen und den Anforderungen der Experten gerecht zu werden, war sehr gross. Obwohl ich mich gut auf die Prüfungen vorbereitet fühlte, kamen zwischendurch Zweifel auf. Was ist, wenn es doch nicht reicht? Wenn ich während den Prüfungen ein Blackout habe oder einfach einen schlechten Tag erwische? Solche Fragen beschäftigten mich kurz vor den Prüfungen regelmässig. Doch schlussendlich blieb mir nichts Anderes übrig, als das zu zeigen was ich kann und mein Bestes zu geben.

Und es hat funktioniert! Ich bin sehr stolz, dass ich die eidgenössische Berufsprüfung erfolgreich abgeschlossen habe und nun in den Lehrverband starten kann. Auch aus dieser Zeit werde ich noch weiter fürs Blog der Kantonspolizei berichten.