Polizistinnen und Polizisten werden immer wieder zu Vorfällen gerufen, bei denen Menschen verletzt worden waren. In der Ausbildung lernen wir deshalb, wie wir uns in diesen Fällen richtig verhalten. Ausserdem gehört die richtige Einvernahme von Personen zum aktuellen Unterrichtsstoff – manchmal eine schwierige Situation für alle Beteiligten.

Im Polizeialltag kommen wir in verschiedenen Situationen in Kontakt mit verletzten Personen, so zum Beispiel bei Verkehrs- oder Arbeitsunfällen oder auch in Fällen von häuslicher Gewalt. Deshalb lernen wir neben Gesetzen, taktischem Verhalten und Selbstverteidigung auch, wie verletzte Personen betreut werden. Zwar ist es natürlich nicht möglich, dass wir an der Polizeischule zu absoluten Profis der ersten Hilfe ausgebildet werden; dafür sind unsere Kolleginnen und Kollegen bei der Sanität zuständig, mit denen wir in vielen Einsätzen zusammenarbeiten. Trotzdem ist es wichtig, dass wir beim Kontakt mit erkrankten oder verletzten Personen angemessen handeln können.

Wie immer steht der Eigenschutz an oberster Stelle

Nachdem wir zuerst die theoretischen Aspekte der ersten Hilfe erlernt hatten, lernten wir in gestellten Szenarien, wie wir uns in verschiedenen Situationen richtig verhalten. Wie immer im Polizeialltag steht unser Eigenschutz an erster Stelle: Je nach Situation, setzen wir uns beim Retten von Personen selbst gewissen Gefahren aus – bevor wir jedoch verletzte Personen betreuen, müssen wir die Unfallstelle so absichern, dass wir ungefährdet arbeiten können. Es würde schliesslich niemandem helfen, wenn man neben dem oder der Verletzten zusätzlich noch einen verletzten Helfer hätte.

Der grösste Fehler: Keine erste Hilfe wagen

Bevor ich seinerzeit die Prüfung für meinen Führerausweis absolvierte, besuchte ich den obligatorischen Nothelfer-Kurs. Ich musste nun jedoch feststellen, dass das Wissen, welches ich mir bei dieser Gelegenheit angeeignet hatte, nicht mehr sehr präsent war. Unsicherheit und die Angst, etwas falsch zu machen, hemmt viele Menschen, erste Hilfe zu leisten. Diese Erfahrung habe ich im ersten Szenario tatsächlich auch gemacht: Aus Angst, etwas falsch zu machen, handelte ich nur sehr zögerlich. Nach der Übung sagte die Instruktorin zu mir: «Das einzige, was du falsch machen kannst, ist nichts zu tun.» Es sei in ihrer Zeit als Rettungssanitäterin noch nie vorgekommen, dass ein Helfer den Zustand des Verletzten verschlimmert habe.

Wir haben dann verschiedene Szenarien trainiert und gelernt, auch in hektischen Situationen richtig zu handeln. Mir wurde einmal mehr bewusst, dass der Polizeiberuf zu einem grossen Teil auch auf Erfahrung basiert. So wurde ich beim Trainieren selbstbewusster und fühle mich bereit für die Erfahrungen, die ich nach der Ausbildung oder vielleicht schon im bald beginnenden Praktikum machen werde.

Herausforderung: Geschickte Kommunikation

Der Beruf des Polizisten umfasst nicht nur die Arbeit auf der Strasse, sondern auch die Tätigkeit am Schreibtisch. Dazu gehört zum Beispiel das Aufnehmen von Aussagen beteiligter Personen, die sogenannte Einvernahme. Das Einvernehmen von Personen erfordert nicht nur Geschick bei der Erstellung eines Fragenkatalogs, viel Geduld und Empathie – sie sind auch ein wichtiges Mittel zur Aufklärung von Straftaten oder Unfällen.

Um brauchbare Antworten zu erhalten, muss man die richtigen Fragen stellen

Beim Gestalten des Fragenkatalogs muss man sich überlegen, welche Informationen man erhalten will und welches Ziel die Einvernahme verfolgt. Um brauchbare Antworten zu erhalten, muss man die richtigen Fragen stellen. In Fällen mit einem unklaren Tathergang ist die Polizei auf Auskunftspersonen und deren Aussagen angewiesen. Ein kleines Detail einer Aussage kann oft sehr hilfreich sein, um den Hergang eines Unfalls oder eines Delikts nachzuvollziehen. Die Aussagen von beteiligten Personen sind massgebend für die schriftliche Falldarstellung der Polizei und somit auch für die zur Anwendung kommenden Strafartikel und das Strafmass.

Wie in vielen anderen Fächern mussten wir uns auch bei der Einvernahme theoretisches Grundwissen aneignen. Wir lernten verschiedene Frage-Typen kennen und es wurde uns erklärt, wann diese angewendet werden. Eine Einvernahme sollte auf den jeweiligen Fall abgestimmt sein: Das heisst, man muss sich bewusst sein, welches Delikt in Frage kommt und welche Tatbestandsmerkmale relevant sind. Im Unterricht haben wir dann Fallbeispiele zum Bearbeiten erhalten; wir mussten den Fall jeweils im Team lösen. Eine Person war die Auskunftsperson oder der Beschuldigte und die zweite Person der Polizist. Anhand des bekannten Sachverhalts haben wir einen Fragenkatalog zusammengestellt und die Einvernahme von A bis Z durchgeführt. Im Anschluss wurde die Übung mit unserem Ausbilder besprochen, damit wir allfällige Korrekturen vornehmen konnten. In dieser Form haben wir das Einvernehmen von Personen mit verschiedenen Fallbeispielen geübt.

Flexibilität und Einfühlungsvermögen sind zentral

In komplizierten Fällen kann es sein, dass man unzählige Personen einvernehmen muss. Das erfordert von den Polizistinnen und Polizisten, die den Fall bearbeiten, viel Ausdauer und Geduld. Das Einvernehmen von Personen ist, wie vieles im Polizeiberuf, von unterschiedlichen Umständen geprägt. Das Befragen von Nachbarn eines Einbruchobjekts ist nicht vergleichbar mit der Einvernahme von Angehörigen eines Todesopfers. Es ist wichtig, dass man den befragten Personen den nötigen Respekt und angemessene Empathie entgegenbringt. Zudem sind traurige oder schwierige Umstände eines Falls auch für Mitarbeitende der Polizei belastend und machen die Einvernahmen in manchen Fällen zu einer grossen Herausforderung.