Die erste Hälfte der Polizeischule ist geschafft. Wir haben die Grundlagen des Polizeiberufs erlernt und wenden diese nun in Szenarien an. Die Zeit vergeht sehr schnell und es folgt eine Prüfung nach der anderen. Ausserdem auf dem strengen Programm: Drei Rettungsschwimmbrevets.

Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht. Die Hälfte der Polizeischule ist schon geschafft. Es war eine intensive und sehr lehrreiche Zeit. Der Alltag beinhaltet immer noch viele Theorielektionen – die braucht es, damit wir das Erlernte anschliessend in praktischen Übungsfällen richtig anwenden können.

Zweitletzte Schiessprüfung vor der eidgenössischen Berufsprüfung

Die bisherigen Prüfungen konnte ich alle erfolgreich abschliessen. Es folgen nun vermehrt solche, die für die Schulpromotion bestanden werden müssen, um danach an die eidgenössische Berufsprüfung zugelassen zu werden. Vor kurzem stand die zweite Schiessprüfung auf dem Programm, die ich erfolgreich hinter mich gebracht habe. Es war die Zweitletzte vor der Berufsprüfung – dementsprechend hoch war auch der Druck.

Das Schiessen an der Prüfung ist nämlich überhaupt nicht vergleichbar mit dem Schiessen im Training. Beim Üben konnte ich meistens gute Ergebnisse erzielen. Wenn es mal nicht so lief, wie ich mir das vorstellte, habe ich mir keine Sorgen gemacht, denn ich wusste, dass noch mehr Trainings auf dem Programm standen. Doch am Tag der Prüfung muss es klappen. Es ist zwar möglich, sie zu wiederholen – aber ich wusste ja, dass der Druck dann noch grösser würde. Darum bin ich sehr erleichtert, dass ich gleich bestanden habe. So kann ich mich auf die weiteren bevorstehenden Prüfungen konzentrieren und einen wichtigen Punkt der Ausbildung abhaken.

Rettungsschwimmen mit Uniform und Schutzweste

Während der Ausbildung absolvieren wir die Rettungsschwimmbrevets Pool, See und Fluss. Ich bin kein schlechter Schwimmer, trotzdem wurde mir schnell klar, dass diese Brevets für mich eine grosse Herausforderung werden. Das Schwimmen, wie man es in der Schule lernt, ist nicht dasselbe, wie wenn man mit Polizeiuniform, Schutzweste und Einsatzgurt im Wasser ist. Diese Umstände verlangen ebenso körperliche Fitness wie mentale Stärke.

Beim ersten Schwimmtraining gleich zu Beginn der Ausbildung bin ich an meine Grenzen geraten. Wir mussten verschiedene Parcours schwimmen bzw. tauchen und ich hatte zunehmend das Gefühl, dass ich keine Chance gegen das Wasser habe. Am meisten Mühe hatte ich beim Tauchen. Nach ein paar Meter Streckentauchen kam schon der Atemreiz und in der Folge Panik. Um intensiver zu trainieren, besuchte ich den Förderunterricht, den die IPH anbietet. Diese Zusatztrainings haben mir sehr geholfen. Ich konnte meine Schwimm- und Tauchtechnik so verbessern, dass ich das Poolbrevet erfolgreich abschliessen konnte und ich bin zuversichtlich, dass ich auch das See- und Flussbrevet bestehen werde. Es ist wichtig, dass man im Wasser seine Grenzen kennt.

Schwimmen – auch bei 5 Grad Wassertemperatur

Einsätze kümmern sich nicht um Wassertemperaturen, deshalb gab es auch eine Kaltwasserübung. Dabei hatten wir den Auftrag, über einen Steg in den See zu steigen, der eine Wassertemperatur von ungefähr 5 Grad Celsius hatte – dann 15 Meter schwimmen, eine Puppe aus 2,5 Metern Tiefe an die Oberfläche holen und anschliessend einen Taucher bis zum Seeufer abschleppen. Ich muss zugeben, dass ich grossen Respekt vor dieser Übung hatte. Ich wusste nicht, wie mein Körper auf die Kälte reagiert und ob ich unter diesen Umständen den Auftrag erfüllen würde. Angst hatte ich jedoch keine. Die verantwortlichen Instruktoren hatten die Übung so organisiert, dass unsere Sicherheit und Gesundheit jederzeit gewährleistet waren. Neben einem Rettungstaucher und zwei Betreuern war auch ein Arzt anwesend, der uns nach der Übung betreute. Es sind allerdings keine medizinischen Probleme aufgetaucht.

Ich absolvierte diese Übung nach dem Motto «Augen zu und durch!». Mich ins Wasser zu begeben hat mich am meisten Überwindung gekostet. Während der ersten Minute im Wasser mussten wir uns beim Steg aufhalten, um abzuwarten, wie der Körper auf die Kälte reagiert. So hätte man sofort handeln können, falls irgendwelche Probleme auftauchten. Mein ganzer Körper zitterte vor Kälte und ich musste mich gut auf die Atmung konzentrieren. Nach etwa zwei Minuten spürte ich meine Arme fast nicht mehr. Das war mir zu diesem Zeitpunkt jedoch ziemlich egal, denn ich fokussierte mich auf das Retten der Puppe beziehungsweise des Tauchers. Darum ging es ja bei der Übung und darum, herauszufinden, ob man sich unter solchen Umständen noch genug konzentrieren kann und in der Lage ist, jemanden aus dem Wasser zu retten.

Die Einstellung ist entscheidend

Ich konnte die Puppe an die Oberfläche holen und den Rettungstaucher abschleppen. Als ich am Ufer ankam, war ich sehr erleichtert. Diese Übung zeigte mir einmal mehr, welch grosse Rolle die Einstellung im Kopf spielt. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Ich musste auf die Zähne beissen, doch diese Erfahrung war sehr wertvoll für mich. Im Ernstfall kann es im Wasser fatale Folgen haben, wenn man sich überschätzt. Deshalb bin ich sehr froh, lernte ich meine Grenzen kennen. So weiss ich jetzt, was ich mir zutrauen kann.

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Möchten Sie persönlich einen Einblick in die Ausbildung von Nina Kaser, Lukas Hänni und ihren Kolleginnen und Kollegen erhalten? Dann nutzen Sie die Gelegenheit: Am 21. Mai 2016 ist Besuchstag an der Interkantonalen Polizeischule in Hitzkirch, dem grössten Polizei-Ausbildungszentrum der Schweiz.