Bisher wurden Gesetzesartikel durchgearbeitet, viel Sport getrieben, Selbstverteidigungstechniken gefestigt und das Schiessen trainiert. Nun ging es an die praktische Umsetzung. Auch ein Besuch im eigenen Korps und beim Institut für Rechtsmedizin (IRM) stand auf dem Programm und hinterliess einen bleibenden Eindruck.

Personenkontrolle

Was sich einfach anhört, kann ganz schön schwierig sein…

Es hört sich sehr einfach an: Ausweis verlangen, Person kontrollieren und die passende Massnahme treffen. Doch ich habe schnell gemerkt, dass jede Situation von vielen Faktoren beeinflusst werden kann und plötzlich nichts mehr so läuft, wie man sich das vorgestellt hat. Zu einer Personenkontrolle gehören viel Bauchgefühl, Aufmerksamkeit und ein sicheres Auftreten dazu. Als wir uns gegenseitig kontrollierten, war ich ab und zu mit der Situation noch ein bisschen überfordert. Die kontrollierte Person bekam vom Instruktor Anweisungen, wie sie sich verhalten soll; auf manche Reaktionen war ich nicht vorbereitet und reagierte falsch oder gar nicht. Das heisst, manchmal wurde ich überrascht und fühlte mich dann gehemmt, oder ich reagierte überhastet.

Das hat mir aufgezeigt, wie wichtig es ist, gut auf das Verhalten der anderen Person zu achten und zu versuchen, auch in hektischen Situationen Ruhe zu bewahren. Doch wenn die Situation zu eskalieren droht, der Puls und das Adrenalin steigt, ist es nicht immer einfach, die Nerven zu behalten und das Richtige zu tun. Das werden wir in den nächsten Monaten weiter trainieren, damit es uns in Fleisch und Blut übergeht.

Beim Institut für Rechtsmedizin in Bern: Ein bisschen wie CSI

Nach den Weihnachtsferien verbrachten wir eine Woche in Ittigen. In dieser Woche wurde uns die Kantonspolizei Bern genauer vorgestellt und wir besuchten verschiedene Abteilungen. Daneben stand auch ein Besuch beim IRM (Institut für Rechtsmedizin) in Bern auf dem Programm. Dort bekamen wir einen Einblick in die verschiedenen Aufgaben, welche das IRM zu bewältigen hat. Ich dachte bis dahin, dass das IRM «nur» verstorbene Personen untersucht.

Doch dem ist nicht so: Es war sehr eindrücklich, mit welchen Mitteln und technischen Geräten das IRM arbeitet. Das IRM rekonstruiert, wie auch der Unfalltechnische- bzw. Kriminaltechnische Dienst der Kantonspolizei Bern, unter anderem Verkehrsunfälle und Tathergänge. Weiter untersucht das IRM neu entdeckte Drogen oder bringt Tatwerkzeuge mit Tätern, sowie den entstandenen Verletzungen oder Beschädigungen in Verbindung. Es erinnerte mich ein wenig an CSI Miami.

Der Umgang mit dem Tod ist sehr persönlich

Bei diesem Besuch wurde ich auch das erste Mal mit einer verstorbenen Person konfrontiert. Leider wird es in meinem späteren Arbeitsleben als Polizist auch zu solchen Situationen kommen. Es ist daher wichtig, dass ich ungefähr weiss, was mich erwartet und ich mich jetzt auf diese Situationen vorbereiten kann. Denn später muss ich mich trotz den traurigen Umständen auf meine Arbeit konzentrieren können. Ich wusste ungefähr, was mich erwartet, doch ich hatte keine Ahnung, was diese Begegnung gefühlsmässig bei mir auslösen würde. Bei dieser Gelegenheit wurde mir bewusst, dass die Reaktion bei der Begegnung mit einer verstorbenen Person enorm vom privaten Umfeld und eigenen Erlebnissen abhängt.

Ein Beispiel dazu: Bevor uns eine leblose Person gezeigt wurde, schauten wir uns Organe an, welche zu Untersuchungszwecken gelagert wurden. Ich war gerade dabei, ein Gehirn zu betrachten, als die Rechtsmedizinerin erwähnte, dass dies von einem Baby stammt. Bis zu dieser Aussage ging es mir sehr gut. Ich habe mich sogar dafür interessiert, welche Untersuchungen an den Organen durchgeführt werden. Doch als mir bewusst wurde, dass ich gerade ein Gehirn eines verstorbenen Kindes betrachtete, konnte ich es nicht mehr ansehen. Ich fühlte mich nicht mehr wohl und hätte den Raum am liebsten verlassen. Mich hat dies sehr beschäftigt. Insbesondere da meine Frau und ich demnächst ein Kind erwarten.

Austausch hilft beim Verarbeiten der Erlebnisse

Nach diesem für mich schon krassen Erlebnis wurde uns ein lebloser Mensch gezeigt. Als ich den verstorbenen Körper sah, wurde mir flau im Magen. Die Leiche war das Opfer eines Verkehrsunfalls. Es herrschte eine sehr spezielle Atmosphäre. Ich dachte mir im Voraus, dass mir bei der Begegnung mit der Leiche unzählige Gedanken durch den Kopf schiessen würden – doch mein Kopf war leer. Ich stand einfach da und betrachtete den leblosen Körper. Nachdenklich wurde ich erst am Abend, als ich auf dem Weg nach Hause war.

Ich überlegte mir, wie es dem Opfer wohl ergangen sein mochte. Ist der Tod schnell eingetreten? Musste die Person leiden? Was machen die Angehörigen jetzt durch? Warum ist das ausgerechnet diesem Menschen passiert? Wie geht es dem Unfallverursacher und welche Strafe erwartet ihn? Ich stellte mir so viele Fragen. Doch beantworten konnte ich nur die wenigsten. Das belastete mich schon eine Weile und es war gut, dass ich mich am nächsten Tag mit meinen Kameraden austauschen konnte. Ich bin froh, dass ich diese Erfahrungen vor meinem Einstieg in den Polizeialltag in einem geschützten Rahmen machen durfte.

Fazit zu meinem bisherigen Ausbildungsverlauf

Die Polizeischule gefällt mir sehr. Ich lernte viele Leute kennen und es sind bereits jetzt tolle Freundschaften entstanden. Die Themen im Unterricht interessieren mich, so kann ich mich auch gut zum Lernen motivieren und bin mit den absolvierten Prüfungen zufrieden. Natürlich gibt es auch Themen, die mir weniger liegen. In solchen Situationen bin ich froh, dass ich meine Klassenkameraden habe. Wir unterstützen uns gegenseitig bei Problemen und lernen gemeinsam.

Die Zeit geht sehr schnell vorbei. Trotzdem vermisse ich Familie und Freunde sehr. Es gibt Momente, in denen ich am liebsten alles liegen lassen und nach Hause fahren würde. Aber das gehört nun mal dazu und ich bin überzeugt, dass sich der Aufwand lohnt und ich nach der Polizeischule auf eine tolle Zeit in Hitzkirch zurückblicken kann.