Markus Stauffer und seine drei Kollegen von der Fachstelle für Umweltkriminalität der Kantonspolizei Bern spüren Umweltsünder auf. Ihre Wege führen dabei von den Gemeinden des Kantons Bern über Strassen und Wälder – manchmal sogar quer über den Globus.

Bild: Pascal Wanner (pawannee bei Flickr), lizenziert unter CC BY-ND 4.0

Bild: Pascal Wanner (pawannee bei Flickr), lizenziert unter CC BY-ND 4.0

Abfallentsorgungen im Wald und illegale Feuer in heimischen Gärten gehören zum Alltag von Markus Stauffer. Immer wieder fahren Menschen mit dem Auto an Waldränder, ins Unterholz oder in abgelegene Talschaften, um dort ihre alten Möbel, Bauschutt oder ihren Grünabfall illegal zu entsorgen. Das hat nicht nur für die Umwelt Konsequenzen: Bei kleineren illegalen Abfallentsorgungen – zwischen 60 und 110 Litern – etwa beträgt die Busse 300 Franken. Bei grösseren Deponien kommen Markus Stauffer und seine Männer zum Zug: Es werden polizeiliche Ermittlungen aufgenommen und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Ob vermögend oder in einfacheren Verhältnissen lebend: Das Täterprofil sei vielschichtig und quer in allen Bevölkerungsgruppen angesiedelt, stellt Markus Stauffer fest. Das Motiv sei aber meistens dasselbe: Die Abfallgebühr nicht zahlen und dadurch Geld sparen.

Umweltkriminalität hat viele Gesichter

Als die Fachstelle 1986 gegründet wurde, bestand sie nur aus einer einzelnen Person. Inzwischen beschäftigt sie nebst Stauffer noch drei weitere Spezialisten. Sie sind für die komplexen und darum oftmals auch medienträchtigen Fälle zuständig. Beispielsweise dann, wenn Gewässer mit Betonabwasser einer Baustelle oder mit Jauche verunreinigt wurden und Fische starben. Die Ermittlungen sind aufwändig, vor allem wenn Chemikalien mit im Spiel sind.

25 Mitarbeiter der Regionalpolizei sind ausserdem als Umweltspezialisten im Nebenamt ausgebildet worden, um die Fachstelle zu unterstützen. Sie treten etwa dann auf den Plan, wenn ein Maler seinen Farbeimer im Brunnen auswäscht. Um eine Vielzahl von Fällen kümmern sich alle Polizisten. Umweltdelikte in ihrer ganzen Bandbreite sind Teil ihrer Ausbildung. So etwa wenn Umweltdelinquenten im Zusammenhang mit Kleinabfällen verzeigt werden müssen. Oder wenn das Öl durch ein Fehlverhalten des Chauffeurs beziehungsweise wegen eines technischen Defekts in den Garten ausläuft.

Hinweise sind hilfreich

«Wir sind keine Umweltschützer. Wir kommen oft erst dann zum Zug, wenn es schon zu spät ist.», sagt Markus Stauffer. Im Kanton Bern wurden im Jahr 2014 2300 Umweltdelikte gemeldet – die Anzahl hat aber nicht per se zugenommen: «Die Leute sind heute sensibilisierter als früher. Wenn sie im Sommer beim Bräteln im Wald illegalen Abfall oder beim Wandern entlang eines Flusses seltsame Verfärbungen oder gar tote Fische beobachten, melden sie dies heute vermehrt der Polizei.»

Manchmal wird die Fachstelle auch von Mitarbeitern der Entsorgungsstellen kontaktiert. Ihnen ist aufgefallen, dass ein Betrieb seine flüssigen Abfälle nicht mehr abgibt. Haben die Mitarbeiter sie illegal in einem Gewässer entsorgt? Die Fachmänner nehmen die Spur auf. Es sei auch schon vorgekommen, dass in der Kläranlage giftige Substanzen festgestellt wurden, erklärt Markus Stauffer. Die Fachmänner starteten eine aufwändige Untersuchung: Sie machten sich ein Bild über die Kanalisation, recherchierten, woher der Stoff gekommen sein könnte, zu welchem Betrieb das Kanalisationsrohr führt.

Die Delikte werden international

Heute hat es die Fachstelle zunehmend mit internationalen Fällen zu tun. «Mit Abfallwirtschaft lässt sich richtig viel Geld verdienen», sagt Stauffer. Wenn beispielsweise ein Reifenhändler Pneus in einer Garage abhole, zwar für die Entsorgung Geld kassiere, diese aus Sicherheitsgründen grenzwertigen Stücke dann aber nach Afrika verkaufe, kassiere er doppelt. Die Männer von der Fachstelle werden dann von Bern aus zur Drehscheibe zwischen der Staatsanwaltschaft, Zoll- und Gemeindebehörden, Regierungsstatthalter, dem Amt für Wasser und Abfall, dem kantonalen Chemielabor, der Uniformpolizei und der Feuerwehr.

«Unsere Arbeit bleibt ein eigentlicher Polizistenjob», sagt Markus Stauffer. Ein Polizistenjob mit einer bedeutenden Nebenaufgabe, bei der die Spuren quer über den Globus verlaufen. Und die Polizisten aber auch immer wieder an Tatorte in ihrer Nähe führen, zu einer Deponie am Waldrand oder dem Möbellager eines Messies an einem abgelegenen Ort.

Dieser Text ist eine gekürzte Version eines Artikels aus der Personalzeitung des Kantons Bern, BEinfo vom August 2015.