Mehr Kontakt mit Menschen, viele Entwicklungsmöglichkeiten und eine sinnvolle Tätigkeit für die Gesellschaft: Das sind die drei Gründe, warum ich Polizist werden will. Aber damit man anderen helfen kann, muss man selber viel wissen.

Kapo Bern Aspirant Lukas Hänni

Ab heute begleiten wir zwei junge Menschen bei ihrer Ausbildung zur Polizistin bzw. zum Polizisten. Beide haben im vergangenen Oktober in Hitzkirch die Polizeischule begonnen. In ihrem ersten Beitrag stellen sie sich vor und erzählen, wie sie ihre ersten Monate erlebt haben. Den Anfang macht Lukas Hänni.

Mein Name ist Lukas Hänni und ich bin 22 Jahre alt. In meiner Freizeit treibe ich gerne Sport, treffe mich mit Freunden oder geniesse Zeit mit meiner Familie. Ich habe eine Erstausbildung als Schreiner gemacht und einige Jahre auf meinem Lehrberuf gearbeitet. Schon bald habe ich während meiner Tätigkeit als Schreiner festgestellt, dass ich diesen Beruf nicht mein ganzes Leben lang ausüben möchte; mir fehlte der Kontakt zu anderen Menschen und ich wünschte mir nochmals eine neue Herausforderung. So fing ich an, mir Gedanken über eine zweite Ausbildung zu machen.

Im zweiten Anlauf zum Traumberuf

Ich habe mich dann über die Polizeiausbildung informiert. Daran reizten mich vor allem die verschiedenen Tätigkeiten der Polizei, die grosse Auswahl an Weiterbildungsmöglichkeiten und die Arbeit mitten in der Gesellschaft. Im März 2014 habe ich mich bei der Kantonspolizei Bern beworben. Leider hat es damals im ersten Auswahlverfahren nicht geklappt – unglücklicherweise habe ich in diesem ersten Durchgang den Sporttest nicht bestanden.

Doch mein Entschluss, Polizist zu werden, stand fest. Deshalb habe ich mich im September 2014 ein zweites Mal beworben und hart für das zweite Auswahlverfahren trainiert. Meine Überzeugung für den Polizeiberuf und meine Hartnäckigkeit haben sich gelohnt: Dieses Mal wurde ich für die Polizeischule ausgewählt.

Start in einen neuen Lebensabschnitt

Am 1. Oktober 2015 ging es dann los mit der Ausbildung. Am Abend vor dem ersten Tag machte sich dann doch etwas Nervosität bemerkbar. Doch anderntags vor Ort erwarteten mich so viele neue Eindrücke, dass für Aufregung gar kein Platz mehr blieb. Die erste Woche verbrachte ich mit meinen neuen Kameradinnen und Kameraden im Ausbildungszentrum in Ittigen. Wir haben viel über die Kantonspolizei und die Ausbildung an der Interkantonalen Polizeischule in Hitzkirch gelernt, und wir durften natürlich unsere Uniform in Empfang nehmen. Egal ob in Bundfaltenhosen und Hemd oder mit Einsatzstiefeln, Waffengurt und Schutzweste: Das erste Mal die Farbe Blau mit dem Berner Kantonswappen auf der Brust zu tragen, das war schon ein ganz spezieller Moment.

Was mich sehr beeindruckt hat, ist das familiäre Verhalten im Korps untereinander. Das Kollektiv, welches für diesen Beruf unumgänglich ist, wurde uns in den ersten Tagen eindrücklich vor Augen geführt. Wir mussten in Gruppen verschiedene Aufgaben lösen, welche einerseits sportliches Können und andererseits viel Gruppendynamik verlangten.

Am eigenen Leib: Pfefferspray

Am zweiten Tag stand ein Pfefferspray-Selbsttest auf dem Programm. Diese Erfahrung war sehr wichtig für mich: Ich habe am eigenen Leib gespürt, wie sich der Einsatz von Pfefferspray anfühlen kann. Besonders interessant war, dass nicht jeder gleich auf die Substanz reagiert. Ich zum Beispiel habe in den ersten paar Sekunden gar nicht viel gespürt, aber dann hatte ich nicht nur ein starkes Brennen im Gesicht und in den Augen, sondern auch Mühe beim Atmen und als Folge davon Panik.

Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich wieder beruhigt hatte und auch, als ich die Augen wieder öffnen konnte, hielt das Brennen weiter an. Das war sehr eindrücklich, und ich habe in der Folge auch gelernt, wie ich betroffene Personen richtig betreuen muss.

Mit dem Pfefferspray ist es wie mit der Waffe. Ich lerne, wann und wie ich diese Einsatzmittel anwenden muss. Der Einsatz muss verhältnismässig sein. Was immer auch passiert: Ziel ist es die Situation mittels Dialog zu lösen.

Von Ittigen nach Hitzkirch

Die ersten Tage an der Interkantonalen Polizeischule in Hitzkirch waren nicht einfach. Mir wurde schnell bewusst, was mir plötzlich alles fehlte: Meine eigenen vier Wände, meine Frau, die Freunde zu Hause; einfach der ganze normale Alltag. Vor der Schule dachte ich noch, es sei sicher kein Problem, zwischendurch nach Hause zu fahren. Doch schnell wurde mir klar, dass dies nicht möglich ist – nach der Schule noch eineinhalb Stunden nach Hause zu fahren, wäre einfach zu viel.

Seitdem ich in Hitzkirch wohne, rennt mir die Zeit davon. Der Stundenplan ist eng getaktet und man hat nicht viel Zeit, die neuen Themen und den Schulstoff zu verarbeiten. In der Freizeit muss ich mich gut organisieren. Einerseits will ich den Erwartungen der Schule gerecht werden, andererseits auch mal den Kopf lüften und mit meinen Kameraden etwas unternehmen.

Die erste Bewährungsprobe

Nach drei Wochen waren auch bereits die ersten Prüfungen fällig. Ich konnte so gar nicht einschätzen, ob ich gut oder schlecht vorbereitet war. Am ersten Prüfungstag wurden drei Fächer geprüft: Strassenverkehrsrecht, Strafprozessordnung und Einführung ins Recht. Am meisten Respekt hatte ich vor der Strafprozessordnung, weil man im ganzen Jahr nur zwei Prüfungen hat und grobe Fehler so natürlich schwer wiegen – und ich fand das Fach im Vergleich zu den anderen beiden Gebieten viel komplizierter.

Nachdem ich die ersten Prüfungen erfolgreich abgeschlossen hatte, war ich sehr erleichtert und konnte mich mit Zuversicht auf die nächsten Prüfungen vorbereiten. Mittlerweile habe ich mich an den neuen Alltag in Hitzkirch gewöhnt und bin gespannt, was mich an der IPH noch alles erwartet.