«Dr schöne grüene Aare naa» – frei nach diesem Songtext von Endo Anaconda zieht es jeden Sommer viele Gummiböötler aufs Wasser. Aber Achtung: Auch die Aare, die häufig «gemütlich» aussieht, birgt Gefahren. Wir zeigen Ihnen, was Sie beachten müssen.

Der Sommer steht vor der Tür und vielleicht planen Sie jetzt schon Ihre erste Fahrt mit dem Gummiboot von Thun nach Bern oder von Bern zum Wohlensee. Bei schönem Wetter bietet sich das an – aber kennen Sie auch die Gefahrenzonen in der Aare? Haben Sie sich über die Ausstiegsstellen informiert? Wissen Sie, welche gesetzlichen Vorschriften Sie einhalten müssen?

Der Alkoholgrenzwert gilt auch für Gummiboot-Kapitäne

Auf Schweizer Gewässern gelten gesetzlich klar geregelte Alkoholgrenzwerte. Diese sind im Binnenschifffahrtsgesetz (bzw. der Verordnung) verankert.

Auch für Gummiboot-Kapitäne gilt ein Grenzwert von 0,25mg/l (dies entspricht den früher gebräuchlichen 0,5 Promille). Auch wenn unsere Seepolizei mit Blick auf die Verhältnismässigkeit hauptsächlich immatrikulierte Boote kontrolliert, wird spätestens bei einem Unfall in jedem Fall überprüft, ob Alkohol mit eine Rolle gespielt haben könnte.

Wie gefährlich ist Alkohol auf dem Boot?

Unabhängig von der Art des Fahrzeuges ist die Fahrtüchtigkeit des Lenkers von zentraler Bedeutung. Wer Alkohol konsumiert, schränkt seine eigene Fahrtüchtigkeit ein. Nicht zu vergessen ist ausserdem, dass das Baden und Schwimmen unter Alkoholeinfluss ebenfalls zu gefährlichen Situationen führen kann – Bootspassagiere gehen ja häufig auch ins Wasser. Die Baderegeln der SLRG liefern wichtige Informationen hierzu.

Gummiboot-Partys

Oft passen nicht alle Freunde und Bekannte in ein Gummiboot oder man trifft auf der Aarefahrt spontan Kollegen. Da bietet es sich an, sich zu formieren und gemeinsam mit mehreren miteinander verbundenen Booten die Aare runter zu treiben. Spass haben ist natürlich nicht verboten, aber: Boote zusammenzubinden ist extrem gefährlich und kann zu schlimmen oder sogar tödlichen Unfällen führen.

Damit der Aarespass nicht zum Albtraum wird, raten wir Ihnen ausdrücklich davon ab, Boote zusammenzubinden. Wertvolle Tipps zu Ihrer Sicherheit geben die Flussregeln der SLRG.

Warum verlorene Gummiboote auf der Aare ein Problem sind

Wenn ein herrenloses Boot auf der Aare gemeldet wird, gehen wir immer davon aus, dass jemandem etwas zugestossen ist. Jede Meldung wird ernst genommen und kann sogar eine grosse Suchaktion auslösen, bei der nicht nur die Polizei, sondern auch Rettungsdienste oder gar Helikopter eingesetzt werden müssen.

Was sollen Böötler tun, die ihr Gummiboot verloren haben?

Es spielt keine Rolle, aus welchen Gründen Sie Ihr Gummiboot verlieren. Als Besitzer sind Sie verpflichtet, sich umgehend bei der Polizei zu melden und Entwarnung zu geben, wenn sie Ihr Boot verloren haben und dieses führerlos den Fluss hinunter treibt.

Wenn Sie Ihr Boot verlieren oder von ihrer Gruppe getrennt werden, informieren Sie unverzüglich die Polizei unter der Nummer 112 oder 117. Ist Ihr Mobiltelefon noch im Boot oder versunken, helfen Passanten oder andere Badegäste sicherlich mit einem Gerät aus.

Bootsbesitzer: Bitte schreiben Sie Ihr Boot an

Das Gummiboot anschreiben? Diese Idee stammt nicht von uns, sondern ist eine Vorschrift aus dem geltenden Binnenschifffahrtsgesetz. Mindestens Name und Adresse müssen am Boot vermerkt werden. Wir raten zudem, eine Telefonnummer einer Person anzugeben, die sich auf dem Boot befindet. Wenn dann ein leeres Boot gefunden wird, sind diese Angaben sehr hilfreich dabei, schnell Klarheit zu schaffen.

Auf vielen Booten fehlen leider Name und Anschrift.

Wird eine Suchaktion gestartet, die sich im Nachhinein als unnötig herausstellt, wird eine fehlende Beschriftung beim Beurteilen der Situation berücksichtigt – sie hat einen Einfluss darauf, mit welchen Konsequenzen der Verursacher der Situation rechnen muss. Je nach eingesetzten Mitteln können die Kosten für eine Suche nach Vermissten schnell einmal mehrere Tausend Franken betragen.

Bei grob fahrlässig verursachten Suchaktionen ist es möglich, dass Einsatzkosten der Rettungsdienste eingefordert werden. Diese Massnahme wird von Fall zu Fall individuell beurteilt.

Welche Risiken bestehen beim «Aareböötlen»?

  • In einem fliessenden Gewässer können Strudel und Walzen auftreten, die von der Oberfläche aus nicht oder nur schwer zu erkennen sind.
  • Wie in jedem anderen Gewässer können sich unterhalb des Wasserspiegels Objekte befinden, die eine Verletzungsgefahr bergen. Das trifft besonders nach Hochwasser-Situationen zu, in denen viel Geschiebe, wie beispielsweise Schwemmholz, mitgeführt worden ist.
  • Die Fliessgeschwindigkeit und Strömung der Aare bzw. von Flüssen im Allgemeinen sollte nicht unterschätzt werden.
  • Eine Flussfahrt sollten Sie nur dann unternehmen, wenn Sie sich körperlich und geistig ausgeruht und fit fühlen.