Am 1. Februar ist es wieder soweit: Der Sirenenalarm wird getestet. Aber wer kümmert sich eigentlich darum, dass die Alarmierung funktioniert, welche Alarme gibt es und was ist zu tun, wenn Sie den Ton nicht zu einer kommunizierten Testzeit hören?

© juan_aunion / Fotolia

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Wie auch immer eine Katastrophe geartet sein mag – in der Regel treten solche Ereignisse mit sehr kurzer oder gar ohne Vorwarnungszeit ein. Aus diesem Grund muss die Bevölkerung innert kurzer Zeit gewarnt und alarmiert werden können. Ein möglicher Info-Kanal dafür ist das Radio.

Wie funktionieren Warnung und Alarmierung?

Die Warnung der Bevölkerung, zum Beispiel vor bevorstehenden Naturgefahren, geschieht ohne vorgängigen Sirenenalarm über die Medien, beispielsweise Radio und Fernsehen. Der «Allgemeine Alarm», auch Sirenenalarm genannt, fordert die Bevölkerung hingegen konkret auf, umgehend das Radio SRF einzuschalten.

Um die Bevölkerung der Schweiz via Radio während des ganzen Jahres rund um die Uhr und sofort erreichen zu können, hat die Schweizerische Radio -und Fernsehgesellschaft (SRG) das System ICARO (Information Catastrophe, Alarme, Radio, Organisation) geschaffen. Alle Einsatzzentralen der Schweizerischen Polizeikorps sind an ICARO angeschlossen und können sofort eine Information veranlassen, falls eine Gefahrensituation auftaucht.

Die Verantwortung ist breit abgestützt

Gemeinsam mit den Kantonen und weiteren Partnern hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) in den Jahren 2009 bis 2015 unter dem Titel «Polyalert» ein neues System für die Sirenenfernsteuerung entwickelt und eingeführt. Bis Ende 2015 konnten planmässig die letzten Sirenen auf Polyalert migriert werden. Seit dieser Umstellung sind erstmals sämtliche rund 5000 stationären Sirenen in der Schweiz an ein einheitliches Steuerungssystem angeschlossen. Gleichzeitig sind ältere und fehleranfällige Sirenen durch neue Sirenen ersetzt worden.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) ist für die übergeordneten Prozesse zur Warnung und Alarmierung zuständig wie die erwähnte Koordination rund um Polyalert. Um die Umsetzung der Vorgaben kümmert sich im Kanton Bern das kantonale Amt für Bevölkerungsschutz, Sport und Militär sowie die jeweiligen Gemeinden. Für die Auslösung sind die Regionalen Einsatzzentralen der Kapo Bern zuständig.

Richtiges Verhalten bei Sirenenalarm

  1. Allgemeiner Alarm: Regelmässiger auf- und absteigender Ton während einer Minute. Nach zwei Minuten Unterbrechung wird der Alarm für eine weitere Minute wiederholt. – Bewahren Sie Ruhe. – Schalten Sie Radio SRF ein. – Befolgen Sie die Anweisungen der Behörden. – Informieren Sie Ihre Nachbarn.Bei Stromausfall ist Eigenverantwortung gefragt: Radio mit Batteriebetrieb hören!
  2. Wasseralarm: Kommt ausschliesslich in den gefährdeten Gebieten zur Anwendung. Er besteht aus zwölf tiefen Dauertönen von je 20 Sekunden Dauer in Abständen von je zehn Sekunden. – Bei Wasseralarm verlassen Sie bitte sofort das gefährdete Gebiet. – Hören Sie Radio SRF. Wenn Sie in einem betroffenen Gebiet wohnen, sind Sie bereits vorgängig mit Merkblättern informiert worden.

Wenn es zu einem Fehlalarm kommt

Um die Bevölkerung in einem Katastrophenfall sofort alarmieren zu können, sind die stationären Sirenen dauernd einsatzbereit. Die Gemeinden sind für die permanente Alarmierungsbereitschaft zuständig und sorgen für Wartung und Reparatur. Leider kann sich dabei auch einmal eine Anlage selbständig machen und ohne tatsächlichen Anlass einen Fehlalarm abgeben. Das kommt glücklicherweise selten vor, zieht jedoch immer eine ganze Kette an Reaktionen nach sich.

Die zuständigen Gemeindebehörden und allenfalls die Betreiber von Wasserkraftwerken melden einen Sirenen-Fehlalarm unverzüglich an die Kantonspolizei. Die Regionale Einsatzzentrale (REZ) veranlasst daraufhin eine Orientierung der Bevölkerung mittels Radiomeldung (ICARO).

Natürlich haben Sie bei sich zuhause aber den Alarm auch bereits gehört – viele Menschen rufen dann bei unseren Einsatzzentralen an, weil sie verunsichert sind und wissen wollen, was zu tun ist. Bitte vermeiden Sie Anrufe in die Einsatzzentrale, da diese sonst überlastet wird. Die Meldung über einen Fehlalarm kann leider nur übers Radio bekannt gegeben werden, sobald zweifelsfrei festgestellt wurde, dass tatsächlich keine Gefahr besteht. Durch den Meldeweg von der zuständigen Behörde an uns und weiter an die Radiosender der SRG kann sich dies ein wenig verzögern.

Ein echter Alarm unterbricht das Radioprogramm sofort

Die Kantonspolizei ist dafür verantwortlich, Meldungen zu verifizieren, die Bevölkerung wenn notwendig mittels Sirenenalarm zu warnen sowie gleichzeitig mittels ICARO Meldung via Radio zu informieren. Das heisst, sobald eine tatsächliche Gefahrensituation vorliegt, können Sie sicher sein, dass Sie an dieser Stelle unverzüglich über die Situation und allfällige Verhaltensanweisungen informiert werden.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz arbeitet ausserdem daran, die Alarmierung der Bevölkerung der gesellschaftlichen Wandlung anzupassen. In Zukunft könnte die Bevölkerung mit der Unterstützung von Apps und Social Media im Katastrophenfall über zusätzliche Medienformen zeitnah und ortsunabhängig informiert werden.

Und warum gibt es den Sirenentest?

Sirenen können Leben retten. Dazu muss jedoch sichergestellt sein, dass diese auch richtig funktionieren. Deshalb findet jeweils am ersten Mittwoch im Februar um 13.30 in der ganzen Schweiz Sirenentest statt. Dabei wird die Funktionsbereitschaft des Allgemeinen Alarms und des Wasseralarms getestet. Beim Sirenentest müssen Sie keine Sicherheitsmassnahmen ergreifen.

Nächster Sirenentest: Mittwoch, 1. Februar 2017, 13:30 Uhr